Workshop Schulname

Ist Hermann Staudinger ein Namenspatron, mit dem sich unsere Schule weiterhin identifizieren kann und möchte? Mit dieser Frage setzte sich am 25. Oktober die Teilnehmenden in einem Workshop auseinander, der im Nachklang zum „Staudinger Themenabend“ stattfand.

Hermann Staudingers Rolle im Dritten Reich ist ambivalent. Einerseits ist erwiesen, dass er Halbjuden, die in seinem Institut arbeiteten, namentlich beim Ministerium denunzierte, andererseits hielt er über andere Halbjuden seine „schützende Hand“, wie Zeitzeugen berichten. Unbestritten ist jedoch, dass Staudinger ein Opportunist war, dem seine wissenschaftliche Forschung über alles stand. Die Freiburger Kommission zur Straßennamensfrage ordnet Staudinger in ihrem Gutachten daher der „Kategorie B“ zu, d.h. sie empfiehlt, den Straßennamen mit erläuternden Erklärungen zu Staudingers Rolle während des Dritten Reichs zu versehen.

Doch kann man eine Empfehlung, die für den Straßennamen gilt, eins zu eins auf den Namen einer Schule als pädagogische Institution übertragen? Die Teilnehmenden des Workshops waren hier geteilter Meinung: Während die einen den Auftrag der Stadt, sich als Schulgemeinschaft mit der Namensfrage zu beschäftigen, als Chance für einen Neubeginn verstehen, plädieren andere dafür, Staudinger als etablierten Namenspatron zu behalten und sich kritisch mit seiner Figur auseinanderzusetzen. Auf großen Plakaten wurden die Argumente, die für bzw. gegen den Namen „Staudinger“ sprechen, gesammelt und anschließend engagiert miteinander diskutiert. Der Austausch machte deutlich, dass es innerhalb der Gruppe keine einheitliche Position für oder gegen den Namen „Staudinger“ gibt – dafür viele Gesichtspunkte, die einerseits für die Beibehaltung, andererseits für einen Neubeginn sprechen. Es bleibt daher mit Spannung abzuwarten, ob die Gesamtlehrerkonferenz, die im November ein Votum abgeben wird, sich klarer positionieren wird.

Text und Bilder: Catherine Pasdar