Wir waren in Taizé

Vom 17. bis zum 24. Juli waren Schülerinnen und Schüler der Freien Christlichen Schule in
Freiburg, denen ich mich, Janis L. aus der Staudinger-Gesamtschule anschließen konnte, eine Woche in Taizé. Etwa vier Autostunden liegt der kleine französische Ort von uns entfernt.

Nach Taizé kommen jedes Jahr mehrere tausend Menschen unterschiedlichen
Alters, der Großteil davon sind Jugendliche. Taizé ist eine von Frère Roger gegründete Brüdergemeinschaft, die ausschließlich von ihren eigens hergestellten Waren finanziert wird. Sie töpfern Geschirr, schreiben Bücher und gestalten Ikonen, die sie anschließend in ihrer „Exposition des Ateliers“ ausstellen und verkaufen. Es kommen Menschen aus der ganzen Welt, um sich in das Leben in Taizé zu integrieren und zu beten. Dabei spielt die Gemeinschaft eine bedeutende Rolle, da sie eine wichtige Grundlage des Zusammenlebens ist. Die Umstände sind von Einfachheit geprägt und bieten so die optimale Gelegenheit sich in die Gemeinschaft reinzufinden, ebenso den Blick auf sich selbst und die Beziehung zu Gott in den Vordergrund zu stellen.

Damit die Abläufe funktionieren, ist es wichtig, dass jeder eine Aufgabe übernimmt und diese zuverlässig erledigt. Wir waren für die Müllentsorgung zuständig. Da wir unsere Arbeit morgens verrichteten, traf sich unsere Arbeitsgruppe schon vor dem Morgengebet zum Frühstück, damit wir danach unverzüglich anfangen konnten. Die erste Mahlzeit am Tag bestand lediglich aus Brötchen, Butter, Schokolade und Tee oder Kakao. Unsere Teamleiter haben uns in kleinere Gruppen für die jeweiligen Bereiche in Taizé eingeteilt, um die Müllsäcke einzusammeln. Danach waren wir für die Trennung des Mülls verantwortlich, was nicht zwangsweise einer schönen Arbeit entsprach. Jedoch hatten wir ziemlich viel Spaß, da wir einige lustige, verrückte Jugendliche in unserer Gruppe hatten, die immer gute Laune zu verbreiten wussten. Nach getaner Arbeit waren wir froh über eine warme Dusche mit endlich säubernder Wirkung.

Im Anschluss hatten wir noch ein wenig Freizeit bis zum Mittagsgebet mit darauf folgendem Mittagessen. Häufig gab es Reis, Nudeln oder Kartoffelbrei und dazu Obst, Brot und Kekse. Gegessen haben wir immer auf kleinen Bänken ohne Tisch, unser Tablett auf den Knien. Die nächste Zeit bis zu unserer „Bibeleinführung“ verbrachten wir oft mit Karten- oder Bewegungsspielen. Von Montag bis Freitag hatten wir die Möglichkeit uns in Gruppen mit Bibeltexten zu beschäftigen, zu denen wir von einem Bruder eingeführt wurden, indem er uns einige Denkansätze und Anregungen mit auf den Weg gab. Diese Gruppen wurden mit Absicht aus unterschiedlichen Nationalitäten zusammengestellt, was uns vor die Herausforderung des Englischsprechens stellte. Es war eine sehr angenehme Erfahrung sich mit den anderen über Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten auszutauschen. Sowohl in Glaubensfragen, als auch kulturellen Dingen. Diese fünf Tage haben gereicht um uns alle zu prägen und auf eine gewisse Art und Weise zu verbinden.

Um 17.00 Uhr gab es immer Tee. Dabei haben wir Zeit gehabt uns mit den Lehrern Herr Klemke und Frau Ruf zu treffen und mit ihnen über unsere Erfahrungen zu sprechen. Gegen 17.30 Uhr konnten wir verschiedene Workshops besuchen, die von Brüdern angeboten wurden. Dort hat man sich zum Beispiel mit einer oder mehreren Fragen beschäftigt, zu welcher Meinungen und Kommentare aus der Gruppe gesammelt wurden. Die dort erhaltenen Erkenntnisse und Resultate konnte jeder für sich frei interpretieren. Die Workshops besuchten wir immer zu dritt oder zu zweit. In einem ging es um die Aussage: „God is beautiful?“,die aber mit einem Fragezeichen versehen war. Es war sehr interessant die unterschiedlichen Meinungen der
Teilnehmer zu hören und sich mit ihnen auseinander zu setzen. Unter anderem haben wir noch Textbeispiele von berühmten Persönlichkeiten analysiert, unsere Kreativität gefördert und sie im Basteln ausgelebt.

Ein Workshop wurde noch für Deutsche angeboten, indem wir das Thema Barmherzigkeit behandelt haben. Dort teilten wir uns in kleinere Gruppen nach Geburtsmonaten auf und besprachen verschiedene Bedeutungen und Zusammenhänge der Barmherzigkeit. Wir redeten vor allem viel über unsere Gesellschaft und kamen schnell auf das Flüchtlingsthema zu sprechen. Am Ende fassten wir die Erkenntnisse und Resultate unserer Kleingruppen zusammen. Es war spannend, was einem in doch relativ kurzer Zeit durch den Kopf gehen kann.

Am Freitag konnte man nach dem Gottesdienst zu einem Kreuz gehen, das vor dem Altar der
Kirche auf dem Boden lag und beten. Man hat sich dabei hingekniet und seine Stirn auf das Kreuz gelegt. Da schon gleich im Anschluss an den Abendgottesdienst eine Menge Leute dafür in der Schlange standen, haben wir uns entschlossen in der Nacht nochmal in die Kirche zu gehen. Dies ermöglichte uns die Erfahrung einer beeindruckenden Atmosphäre, weil sich auch zu dieser späten Uhrzeit immer noch viele Menschen zusammenfanden, um zu singen und zu beten.

Ein weiteres schönes Erlebnis war der Lichtergottesdienst am Samstag, welcher die
Auferstehung Christi symbolisieren sollte. Man hat am Eingang zu dem Gesangbuch eine dünne Kerze bekommen, die wir alle gemeinsam zu einem bestimmten Lied anzündeten, was uns ein Gefühl der Verbundenheit und Geborgenheit gab.

Für ruhige Momente, in denen man mehr für sich ist, konnte man die romanische Kirche im Dorf aufsuchen, neben der Frère Roger auf einem überschaubaren und einfach gehaltenem Friedhof begraben liegt. Dieser Ort ist ein Treffpunkt der Stille und des Gebets mit Gott. Gerade deswegen ist diese Kirche oft ein Rückzugsort, ein Ort des Friedens und der Ruhe, ebenso wie die Krypta und der orthodoxe Gebetsraum, die sich beide unterhalb der Hauptkirche befinden.

Zu guter letzt können wir sagen: Eine Reise nach Taizé lohnt sich sehr. Man ist ständig in Kontakt mit Menschen, mit denen man sehr offen reden und sich austauschen kann, hat aber auch immer Möglichkeiten alleine zu sein, um stille Momente für sich zu genießen. Auch mit Brüdern von Taizé kann man jederzeit sprechen und eventuelle Fragen loswerden. Man muss in keinem Fall ein streng religiöser oder frommer Mensch sein, um sich auf das Leben in Taizé einzulassen. Man erfährt unglaublich viel über ein Leben in Gemeinschaft, mit Gott und vielleicht für einige auch über sich selbst. Deshalb können wir jedem eine Reise nach Taizé weiterempfehlen, auch denjenigen, die nicht an Jesus oder Gott glauben, sich aber dafür interessieren, diesen Glauben kennen lernen zu wollen.

Janis Lotze und Anna Pollhans