WhatsApp, Facebook und Co. – Medien – aber sicher!

99% aller zwölfjährigen Mädchen und 97% aller zwölfjährigen Jungen besitzen ein Handy oder Smartphone. 91% aller Jugendlichen nutzen WhatsApp, über ein Drittel sind auf Seiten wie Facebook und Instagram unterwegs. Die Zahlen, die Carmen Kunz, die am 15.November auf Einladung des Arbeitskreis Suchtprävention in der vollbesetzten Mensa zu Gast war, in ihrem Vortrag nennt, sprechen für sich. Für Kinder und Jugendliche ist das Internet, das mit dem Smartphone ständig und überall zur Verfügung steht, ein digitaler Lebensraum, der fasziniert, so die Diplompädagogin. Gerade in der Pubertät erleben Jugendliche das Netz als einen Ort, in dem der Wunsch nach Zugehörigkeit (soziale Netzwerke), die Entwicklung der eigenen Identität (Communities, virtuelle Realitäten), das Streben nach Anerkennung („Likes“ für Postings) und nicht zuletzt der Umgang mit Sexualität (Flirtportale, Aufklärungsseiten) verwirklicht werden können.

Erwachsene, insbesondere Eltern, sehen den Medienkonsum ihrer Kinder jedoch oft kritisch und fühlen sich unsicher, ob und wie sie ihn begrenzen sollen. Sie sorgen sich, dass die Heranwachsenden mit pornografischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten in Berührung kommen oder Opfer von Cybermobbing und Sexting werden könnten. Carmen Kunz empfiehlt Eltern, ihre Kinder in der digitalen Welt nicht alleine zu lassen. Bei jüngeren Kindern sei es oft sinnvoll, das Smartphone mit einer Kindersicherung auszustatten, die bestimmte Funktionen sowie gefährliche Inhalte sperrt (für Jugendliche ungeeignet, da diese solche Sicherungen zu umgehen wissen). Außerdem sei es ratsam, bestimmte Nutzungszeiten zu vereinbaren und das Internet nachts z.B. zu deaktivieren. Die Expertin empfiehlt zusätzlich, in der Familie einen „Mediennutzungsvertrag“ abzuschließen (Vorlagen gibt es im Internet), in dem Kinder und Eltern gemeinsam familieninterne Regeln festlegen, zu welchen Zeiten und wie lange am Tag Smartphone, Tablets und Computer genutzt werden dürfen. Erwachsene sollten hier auch an ihre eigene Vorbildfunktion denken und selbst Offline-Zeiten einhalten, wenn sie diese von ihren Kindern fordern. Auch wenn generelle Empfehlungen schwierig sind, nennt Carmen Kunz für Kinder einen Richtwert von 10 Minuten pro Lebensjahr als empfohlene Bildschirmzeit täglich (6-Jährige sollten damit höchstenes eine Stunde täglich Medien konsumieren), für Jugendliche ca. 9 Std./ Woche.

Jugendliche litten heute oft an dem „FOMO“-Syndrom („Fear of missing out“), also an der Angst, etwas zu verpassen, so Kunz. Mehrere Hundert Nachrichten pro Tag z.B. in Klassenchats seien nicht unüblich und führen bei Kindern und Jugendlichen häufig zu dem Gefühl, immer sofort antworten und ständig online sein zu müssen. Die Expertin empfiehlt daher, bei der beliebten Kurznachrichtensoftware „Whats-App“ die Sichtbarkeit des Online-Status zu deaktivieren. Jugendliche könnten sich so von dem Druck befreien, immer sofort auf Nachrichten reagieren zu müssen. Weitere hilfreiche Tipps zur richtigen und altersgemäßen Nutzung von Internet und anderen Medien finden interessierte Eltern, Kinder und Jugendliche im Internet unter „Klicksafe“ oder „Internet ABC“.

Wichtig sei es, so Kunz abschließend,  dass man in der digitalen Welt von heute die richtige Balance zwischen On- & Offline finde. Bewusste Internetauszeiten seien inzwischen bei manchen sogar ein Statement: „Offline ist das neue Bio“, erklärt Carmen Kunz  mit einem Augenzwinkern.

Linkttipps zum Thema

Herzlichen Dank an den Arbeitskreis Suchtprävention für die Organisation des Vortrags und an die Volkshochschule Freiburg für die Finanzierung.

Catherine Pasdar