Wenn Essen zum Problem wird: Essstörungen bei Mädchen

Groß und schlank – dieses Schönheitsideal bestimmt unsere Gesellschaft und besonders Mädchen in der Pubertät lassen sich von den vermeintlich perfekten Körpern in Internet und Fernsehen beeinflussen. Als Expertin für das Thema Essstörungen bei Mädchen war am 14. November Charlotte Gareis vom Frauen- und Mädchengesundheitszentrum Freiburg zu Gast an der Staudinger-Gesamtschule.

Die Diplom Sozialpädagogin erklärte, dass bei fast einem Drittel der 11 – 17 jährigen Mädchen (28, 9 %; Quelle: BZgA) während der Pubertät Symptome eines essgestörten Verhaltens zu beobachten sind. Diese Essstörungen treten in Form von Esssucht (übermäßige Fressanfälle), Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder – und das am häufigsten – als Magersucht auf. Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren zählen zur Hauptrisikogruppe für Magersucht, 7 – 15% aller Betroffenen sterben sogar daran. Die Gründe, in eine Magersucht abzurutschen, sind vielfältig: geschlechtsspezifische Sozialisation, Lebenskrisen, Probleme in der Familie oder Gewalterfahrungen.

Woran aber erkennen Eltern, dass ihre Tochter ein Essproblem hat? Wenn Mädchen sich plötzlich übertrieben mit dem Thema Ernährung, Figur und Sport beschäftigen, wenn die Tochter innerhalb kurzer Zeit extrem abnimmt, wenn Teenager sich ständig auf die Waage stellen oder nach dem Essen sofort im Bad verschwinden, wenn die Tochter kocht, aber selbst nicht mitisst, dann sollten bei Eltern die Alarmglocken schrillen. Gareis rät Eltern, ihrer Tochter zu sagen, dass sie sich Sorgen um deren Essverhalten machen und frühzeitig eine Beratungsstelle aufzusuchen. Dort klären Experten in einem ersten Gespräch, ob Handlungsbedarf besteht und vermitteln gegebenenfalls Adressen für Therapieangebote. Magersucht ist eine ernstzunehmende Krankheit ist und kann nicht familienintern „geregelt“ werden, so Gareis. Eltern können jedoch präventiv auf eine gesunde Entwicklung ihres Kindes einwirken, indem sie das Selbstwertgefühl ihres Kindes stärken, keine negativen Äußerungen über die Figur (auch nicht über die eigene) machen, das Familienessen als Genuss zelebrieren und selbst ein normales Essverhalten ohne Diäten vorleben.

Das Hauptproblem bei Magersucht ist, dass die Mädchen meist ein völlig falsches Selbstbild haben und sich selbst, obwohl extrem schlank, als dick wahrnehmen. Sie verleugnen, ein Problem mit dem Essen zu haben, ziehen sich oft zurück, entwickeln extreme Kontrollzwänge und häufig auch Selbsthass. Gareiss betont in ihrem Vortrag, wie wichtig es ist, dass Eltern in dieser für die ganze Familie schwierigen Situation die Krankheit weder bagatellisieren, noch sich von dieser terrorisieren lassen. „Schuldgefühle und Schuldzuweisungen helfen bei Essstörungen nicht weiter“, so die Expertin. Vielmehr sollten die Eltern ihrer Tochter immer das Gefühl vermitteln, dass sie sie lieben: „Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie es akzeptieren, sein Essverhalten aber nicht. Machen Sie Ihrer Tochter klar, dass es von der Krankheit beherrscht wird, indem Sie zum Beispiel fragen: „Redet dir die Essstörung wieder ein, dass du die Nudeln nicht essen kannst?“

Therapien, ambulant oder stationär, seien nur dann erfolgreich, wenn sich die Mädchen auch darauf einlassen – oft ein langer Prozess. Eltern sollten in dieser Zeit auch auf ihre eigenen Bedürfnisse achten, weiter ihren Hobbies nachgehen, Bekannte treffen und ihre Sorgen mit Freunden und eventuell auch mit einem Therapeuten besprechen. „Das Verhalten eines magersüchtigen Mädchens, dass am Tisch sitzt, und nicht isst, kann Eltern verzweifeln lassen und mitunter aggressiv machen. Sehen Sie das Verhalten Ihrer Tochter nicht als Provokation, es ist eine Krankheit“, rät Gareis den Betroffenen.

Herzlichen Dank an den AK-Suchtprävention für die Organisation des Abends, an die VHS Freiburg für die Finanzierung und an die SOFA-AG (Larissa, Josephine, Fabienne) für die Bewirtung!

 

Text und Bild: Catherine Pasdar