Vortrag: „Grenzen setzen, in Beziehung bleiben. Gendersensible Pädagogik mit Jungen“

Die Pubertät ist eine schwierige Zeit, nicht nur für die Jugendlichen selbst, sondern auch für Eltern, die ihren Nachwuchs durch diese Phase begleiten. Insbesondere männliche Jugendliche versuchen in dieser Lebensphase häufig, Grenzen auszutesten. Wie reagiert man als Elternteil richtig, wenn der Sohn kifft, Alkohol trinkt, stundenlang am Computer spielt oder sexistische Rap-Texte hört? Intervenieren und hart durchgreifen? Aushalten und hoffen, dass es eine vorübergehende Phase ist?

Der Experte Florian Hahn, der seit Jahren pädagogisch mit Jungs arbeitet, teilte im Rahmen eines Themenabends des AK-Suchtprävention am 26. November seine Erfahrungen mit dem interessierten Publikum. Jungs seien durchaus in der Lage, tiefgründige Gespräche zu führen und sich gegenüber Erwachsenen zu öffnen, sagt Hahn, sie bräuchten dafür nur den richtigen Rahmen. Gemeinsame Unternehmungen wie Kanutouren, zusammen etwas reparieren, das neue Computerspiel testen oder ein Spaziergang in der Natur können oft Wunder wirken. Eltern sollten sich bewusst Zeit nehmen und in Beziehung zu ihren Kindern gehen.  Wichtig sei es, Vertrauen zu vermitteln und gelassen zu bleiben, wenn der eigene Sohn pubertätsbedingt aufbegehrt. „Es gibt gute Gründe, warum ein 14-Jähriger sich nachts nicht alleine auf der Straße herumtreiben oder mit seinen Freunden auf dem Weinfest betrinken darf. Verweisen Sie auf die gesetzlichen Regelungen und bleiben Sie authentisch, was Ihre eigenen Werte angeht“, rät Hahn seinem Publikum. „Wenn euer Sohn behauptet, alle anderen dürften bestimmte Dinge, dann erklärt ihm liebevoll, aber klar, wo in eurer Familie die Grenzen sind: Ich sorge mich um dich und deshalb möchte ich, dass du um 22 Uhr daheim bist.“

Auch bei schulischem Frust ermutigt Hahn die Eltern, ihre Erwartungen so zu formulieren, dass sie nicht als Angriff empfunden werden. Anstatt Druck auszuüben sollten Eltern fragen, was ihr Sohn braucht, damit er es in der Schule hinbekommt. Wenn es Eltern gelingt, mit ihren Kindern im Abnabelungsprozess der Pubertät in Beziehung zu bleiben, dann leisten sie einen Beitrag zum großen Ziel des Abends: Glückliche Jungs.

Text und Foto: Catherine Pasdar