Vom Hören und Schmecken – SOFA-AG kocht mit der „Selbsthilfegruppe Cochlea-Implantat“

Üblicherweise ist es in Schulen am Wochenende ruhig. Nicht so jedoch am Samstagnachmittag, 1. Juli an der Staudinger-Gesamtschule: In der Schulküche wird geschnippelt, gerührt und gewürzt. Vier Schülerinnen der SOFA-AG („Schüler organisieren fast alles“) schwingen an diesem Tag mit sechs Mitgliedern der Freiburger Selbsthilfegruppe für Cochlea-Implantat-Träger die Kochlöffel. Auf dem Speiseplan steht ein sommerliches Menü, das die beiden Lehrerinnen Maria Stoll und Eli Burget für diesen Tag zusammengestellt haben: Gurkencazpacho, Chicoreeschiffchen mit Ziegenkäse, Avocadaoaufstrich, Chickenwings mit Couscoussalat und ein sommerliches Erdbeerdessert sind nur einige der Köstlichkeiten, die an diesem Tag vorbereitet werden. Dass alle Gäste hörgeschädigt sind, fällt zunächst nicht auf. Die jungen Staudis und die Erwachsenen der CI-Selbsthilfegruppe unterhalten sich angeregt, während sie das Essen vorbereiten. Erst auf den zweiten Blick sieht man, was die Gäste verbindet: Sie alle tragen ein sogenanntes Cochlea-Implantat, eine implantierte Hörprothese, die es ihnen ermöglicht, zu hören. „Ich selbst bin erst spät ertaubt“, berichtet Nicole Ketterer. „Nach der Operationen musste ich lernen, wieder im Leben klarzukommen. Da hilft es, wenn man auf Leute mit dem gleichen Problem trifft.“

Die Selbsthilfegruppe begleitet und unterstützt CI-Träger vor und nach der Operation. „Wir informieren Betroffene und ihre Angehörige, bieten Kommunikationstrainings an und beraten CI-Träger, was ihnen rechtlich als Hörgeschädigte zusteht“, erklärt Franziska Moosherr, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der CI-Selbsthilfegruppe, während sie den Nachtisch vorbereitet. „Wir sind eine gemischte Gruppe im Alter von 18 – 91 Jahren und treffen uns mehrmals im Jahr, um gemeinsam schöne Dinge zu unternehmen, zum Beispiel zusammen mit anderen zu kochen, wie heute.“

Auf die Idee, dass die CI-Träger mit Schülerinnen und Schülern zusammen ein Menü vorbereiten könnten, kam Ulrike Berger, ein Mitglied der Selbsthilfegruppe, letztes Jahr auf dem ZMF, wo sie die SOFA-AG bei einer Bewirtungsaktion erlebte. Ein wichtiges Anliegen der CI-Träger ist es, Berührungsängste abzubauen. Dass dies bei der gemeinsamen Kochaktion gelungen ist, steht außer Frage.