Trainingsraum
programm

Der etwas andere Umgang mit Unterrichtsstörungen

Die Idee des Trainingsraums wurde 1994 von Edward E. Ford an einer Grundschule in den USA eingeführt. Einige Jahre später übernahm und erprobte Dr. Stefan Balke das Konzept an einer Schule in Bielefeld. Einige Schulen folgten dem Beispiel, zunächst in Nordrhein-Westfalen, in den letzten Jahren auch in Baden – Württemberg.

Zum Schuljahr 2003/2004 startete auch die Staudinger – Gesamtschule mit dem Trainingsprogramm zum eigenverantwortlichen Denken und Handeln

zusammengestellt von Susanne Trabitzsch, Lehrerin an der Staudinger – Gesamtschule Freiburg

Inhaltsangabe

  1. Ziele des Programms
  2. Die Grundregeln des Programms
  3. Zum Ablauf

1. Ziele des Programms

Das Hauptziel des Programms ist, dass lernbereite Schüler und Schülerinnen ungestört lernen können.

Wer sich nicht an die Regeln halten kann und will, geht in den Trainingsraum um dort über sein Verhalten nachdenken zu können … Der Unterricht läuft nun in weitgehend störungsfreier Atmosphäre ab. Das ist wichtig für die Schülerinnen und Schüler und natürlich für die Lehrkraft.

Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler

Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst, ob sie im Klassenzimmer bleiben oder ob sie in den Trainingsraum gehen. Entscheiden sie sich für das Klassenzimmer, müssen sie sich an die Grundregeln halten. Sie selbst sind für die positiven sowie negativen Folgen der Entscheidung verantwortlich ( Eigenverantwortung übernehmen). Schüler und Schülerinnen, die lernen, eigenverantwortlich in der Klasse zu handeln, erwerben die Fähigkeit, dieses Prinzip auch auf den Freizeitbereich, den Beruf und die Familie zu übertragen.
Wer im Moment nicht in der Lage ist, die Regeln einzuhalten, hat die Möglichkeit im Trainingsraum das Gespräch zu suchen und das eigene Verhalten zu reflektieren.
Der Trainingsraum ist in jeder Unterrichtsstunde mit extra dafür ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern besetzt.
Im Trainingsraum füllt jeder Schüler / jede Schülerin einen Rückkehrplan aus. Erst nach der schriftlichen und mündlichen Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann die Schülerin / der Schüler wieder zurück in die Klasse gehen.

Störungen haben Vorrang (Ruth Cohn)

Störungen im Unterricht werden sofort aufgegriffen, jedoch in anderem Rahmen bearbeitet. Der Schüler / die Schülerin reflektiert sein / ihr Verhalten in einem separaten Raum. Dies geschieht durch das Ausfüllen eines so genannten Rückkehrplans und einem Gespräch mit der Lehrkraft des Trainingsraumteams.

Neue Verhaltensstrategien

Im Trainingsraum wird das Störverhalten genauer reflektiert. Gemeinsam mit dem Schüler / der Schülerin wird nach Gründen für das Fehlverhalten gesucht. Nach mehrmaligen Trainingsraumbesuchen bekommt der Schüler / die Schülerin einen Beratungslehrer / eine Beratungslehrerin zugeteilt. Dieser / diese spricht mit ihm / ihr und versucht, Gründe für das Störverhalten aufzudecken und Lösungs- und Verhaltensstrategien zu entwickeln.

2. Die Grundregeln des Programms

Das Programm basiert auf den drei Grundregeln:

Jede Schülerin / jeder Schüler hat das Recht ungestört zu lernen!

Jede Lehrerin / jeder Lehrer hat das Recht ungestört zu unterrichten!

Alle müssen stets die Rechte der anderen achten und respektieren!

In Klassenstunden haben die Klassenlehrer und Klassenlehrerinnen mit ihren Lerngruppen geklärt, was diese Regeln für sie bedeuten heißen und haben die Abmachungen mit konkreten Inhalten gefüllt.
So könnten die Regeln für eine Klasse beispielsweise so aussehen:

  • Ich höre zu, wenn andere sprechen.
  • Ich warte, bis ich aufgerufen werde.
  • Ich achte das Eigentum anderer.
  • Ich spreche höflich.
  • Ich gehe rücksichtsvoll mit anderen um.
  • Ich befolge die Anweisungen des Lehrers / der Lehrerin.
  • Ich passe im Unterricht auf und beteilige mich.

Das Programm bezieht sich ausdrücklich nur auf Unterrichtsstörungen! Konflikte in der Pause müssen anders geklärt werden, zum Beispiel in der Streitschlichtung.

3. Ablauf des Trainingsraumprogramms
Im Trainingsraum -Wie oft? Was folgt?
3 x Beratungsgespräch mit dem Schüler/ der Schülerin durch einen Trainer
6x
  • Beratungsgespräch mit den Eltern und Schüler/in
  • tel. Einladung, wenn nicht erreichbar
  • schriftl. Einladung /schriftliche Inf
  • Ziel: Kooperation mit Elternhaus
9x
  • Ausschluss vom Trainingsraum
  • der Trainingsraum informiert die Stufenleitung der MS oder OS, diese informiert Eltern und lädt zu einer Klassenkonferenz ein bzw. informiert die Klassenlehrer und Fachlehrer
Ausschluss vom Trainingsraum wird auch in das Folgeschuljahr „übertragen“. Eine Wiederaufnahme in den Trainingsraum ist möglich, wenn der Schüler/in über einen längeren Zeitraum nicht negativ aufgefallen ist.
Nach Ausschluss
  • Setzen Disziplinarmaßnahmen laut § 90 ein.
  • bei erneuter Unterrichtsstörung muss der/die betreffende Schüler/in den Unterricht mit Aufgaben verlassen, die er/sie im Trainingsraum für den Rest der Stunde bearbeitet.
  • der Trainingsraum informiert die Eltern schriftlich und der Schüler muss zum nächstmöglichen Termin Arrest ableisten.
  • nach dreimaligen Arrest folgt eine Disziplinarkonferenz.
  • Diese Vorfälle werden im Unterschied zum TR- Programm in der Schülerakte und bei der jeweiligen Stufenleitung dokumentiert.