Taizé?

Taizé, das ist doch irgendwo in Frankreich und hat das nicht etwas mit Glauben zu tun? So, oder ähnlich gering war das Wissen von mir und meinen acht Mitschülern über unser Reiseziel. Eine Gruppe von neun Schüler*innen der Staudinger-Gesamtschule und zwei Lehrerinnen unternahm gemeinsam mit Schülerinnen und Lehrern des St. Ursula-Gymnasiums diese Reise nach Taizé.

Angekommen in der sogenannten Communauté merkten wir schnell: Dieser Ort ist nicht nur eine Kirche oder ein Ferienlager, sondern beinhaltet eine Gemeinschaft, in die man ab dem Moment der Ankunft mit einbezogen wird. Von einem der vielen Helfer wurden wir anfangs über den Tagesablauf, aber auch unsere Pflichten aufgeklärt: Dreimal am Tag fand Gottesdienst statt, Anwesenheit war erwünscht aber nicht Pflicht. Zwischendrin gab es die Möglichkeit Bibellesungen anzuhören, die von den knapp hundert dort lebenden Mönchen angeboten wurden oder an einem der zahlreichen Workshop über Glaubens-, aber auch Alltagsthemen teilzunehmen. Jeder bekam einen Job als Helfer (ich musste die Toiletten putzen), ohne diese würde der komplette Ablauf nicht funktionieren, immerhin sammeln sich im Sommer bis zu 6000 Leute an diesem Ort.
Taizebesuch
Dieser immer gleiche Tagesablauf gab einem eine große Ruhe. Man stand morgens früh auf nahm dann gegen acht am Gottesdienst teil, welcher stets viel Raum für den Einzelnen ließ, was an Augenblicken der Stille aber auch an den ständigen Wiederholungen der Taizé-Lieder lag. Das Essen war spartanisch, aber sobald einem klar wurde, dass es nicht mehr gibt, wurde man trotzdem immer satt. Selbst unser alltäglicher Job begann mit der Zeit Spaß zu machen, da die Arbeit gemeinschaftlich ausgeführt wurde. Und was lief zwischendrin? Viel! An kaum einem anderen Ort den ich kenne, trifft man so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen. Man wird von allen Seiten angesprochen, sei es von Iren, Schweden oder gar Japanern. Plötzlich fand man sich inmitten allerlei Taizé-Spiele, wie Ninja, oder einer Diskussionsrunde über die Wichtigkeit der Kirche wieder. Es war als ob die Menschen all ihre Alltagslasten gegen Offenheit und Hilfsbereitschaft eingetauscht hätten.

Der Abschied kam zu früh, doch fast jeder unserer Gruppe stellte eine Bereicherung, sei es im Glauben oder menschlich fest. Das letzte Mal in Taizé wird es garantiert nicht gewesen sein.