Schulsozialarbeit

Vortrag „Selbstverletzung/
Ritzen – wie können Eltern damit umgehen?“ von Charlotte Gareis

„Selbstverletzung ist ein hochwirksames Medikament gegen Hochstress“

Mit diesem Zitat des Psychologen Ulrich Sachsse erklärt die Referentin des Vortrags „Selbstverletzung/Ritzen – wie können Eltern damit umgehen?“  vom Frauen- und Mädchen Gesundheitszentrum, warum auch nach ihren Erfahrungen in der Beratung von Mädchen das Phänomen Selbstverletzung in den letzten Jahren immer mehr Bedeutung erlangt.

Die Heidelberger Schulstudie aus dem Jahr 2013 weist aus, dass dreißig Prozent der Jugendlichen sich bereits einmal selbst Verletzungen zugefügt haben. Damit ist das Thema eigentlich in jeder Schulklasse präsent. Fünf Prozent verletzen sich regelmäßig mindestens vier Mal pro Monat.

Unter den unterschiedlichen Formen des Selbstverletzenden Verhaltens ist das Ritzen mit Abstand am häufigsten. Es ist immer ein Ausdruck innerer Konflikte; dieser innere Schmerz wird in einen äußerlichen, erfahrbaren umgewandelt. Da die damit einsetzende Erleichterung, das Sich-Selbst-Fühlen, nur kurze Zeit anhalten, wird selbstverletzendes Verhalten schnell chronisch. Die einsetzenden Schuld- und Schamgefühle führen in eine Abwärtsspirale, in einen Teufelskreis.

Dass dieses Verhalten zumeist in der Pubertät auftritt überrascht nicht: sie ist eine anstrengende und  risikoreiche Phase im Leben und geht mit erhöhter Risikobereitschaft einher; aber auch mit hormonellen Veränderungen und daraus resultierenden Stimmungsschwankungen. Das Repertoire der Jugendlichen, wie man mit schwierigen Situationen umgehen kann, ist zugleich aber noch begrenzt. Belastungen durch die Peer-Group oder schwierige Familienverhältnisse können sich dann in solch selbstverletzendem Verhalten entladen.

Für Eltern geht es erst einmal darum, das Ritzen überhaupt zu bemerken: die jungen Mädchen verstecken die Schnitte häufig unter langer Kleidung, gehen nicht ins Schwimmbad. Wenn der Verdacht besteht, empfiehlt die Sozialpädagogin und systemische Beraterin Charlotte Gareis diesen offen anzusprechen und eine mitfühlende, nicht bestrafende Haltung einzunehmen. In jedem Fall muss das Verhalten ernst genommen werden. Die Eltern können Gesprächspartner sein und müssen Hilfe aufbauen. Dies kann durch Beratung geschehen oder eine Therapie kann angestrebt werden; auch das Jugendamt kann Hilfestellung leisten. Dabei ist es wichtig, die Autonomie der Jugendlichen zu beachten, sie einzubeziehen.

Ihnen das Ritzen „ausreden“ zu wollen hilft nicht; es muss erst ein anderes Ventil gefunden werden für ihre Probleme.

Vorwürfe und eigene Schuldgefühle helfen ebenfalls nicht weiter und schaden sogar, ebenso wie Kontrollen, Verbote oder dem Versuch den Jugendlichen das Versprechen abzunehmen, sich nicht mehr selbst zu verletzen. All das sollte daher unterbleiben.

Für die anwesenden Eltern gab es die Möglichkeit während des Vortrags Fragen zu stellen, was auch rege genutzt wurde. Über die Hintergründe von selbstverletzendem Verhalten und sinnvolle Reaktionen darauf mehr zu erfahren gibt Sicherheit; aber der Abend macht auch deutlich, dass dieses Thema für die betroffenen Eltern und Jugendlichen eine große Herausforderung bleibt und dass Hilfe von außen nötig ist. Erste Ansprechpartner können da übrigens auch die Schulsozialpädagog*innen sein.

Herzlichen Dank an den AK Suchtprävention für die Organisation des Abends, an die VHS Freiburg für die Finanzierung und an die Klasse 9d für die Bewirtung mit (natürlich alkoholfreien) Caipirinhas!

Text & Fotos: Natalie Gros

Schulsozialarbeit

Was ist Schulsozialarbeit?

• Schulsozialarbeit ist Jugendsozialarbeit an Schulen.
• Sie fördert die Schülerinnen und Schüler in ihrer gesamten persönlichen und sozialen Entwicklung.
• Sie trägt zu einem gelingenden Bildungsprozess bei.
• Sie trägt sozialpädagogische Kompetenzen in die Schule hinein.
• Sie gestaltet als Teil der Schulgemeinschaft den Lebensraum Schule mit

Für wen ist Schulsozialarbeit?

• Für Schülerinnen und Schüler bei privaten oder schulischen Fragen und Problemen.
• Für Klassen oder Gruppen bei Themen, die ihnen wichtig sind, zur Umsetzung von Ideen oder bei Konflikten.
• Für Lehrerinnen und Lehrer und die Schulleitung bei schulischen und pädagogischen Fragen.
• Für Eltern bei Erziehungsfragen, bei Kontakten zur Schule und bei der Mitgestaltung des Lebensraums Schule

Welche Angebote gibt es?

• Einzelfallhilfe, Beratung und Krisenintervention
• Sozialpädagogische Gruppenarbeit
• Projekte zu verschiedenen Themen, je nach Bedarf
• Elternarbeit und Förderung der Elternmitwirkung
• Mitarbeit bei der Schulentwicklung
• Vernetzung der Schule mit dem Stadtteil
• Kooperation mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern.

Grundsätze von Schulsozialarbeit

• Sie behandelt ihr anvertraute Themen vertraulich und unterliegt der Schweigepflicht.
• Ihre Angebote sind freiwillig.
• Sie arbeitet präventiv.
• Sie arbeitet eng und partnerschaftlich mit der Schule und den Eltern zusammen.
• Sie setzt an den Fähigkeiten und Stärken der Kinder und Jugendlichen an.
• Sie bezieht Kinder und Jugendliche in Entscheidungsprozesse ein und bestärkt sie darin, ihre Anliegen einzubringen

Qualitätsstandards der Schulsozialarbeit in Freiburg