Politik

Demokratie üben


Bereits eine Woche vor der Bundestagswahl am 22. September durften rund 170 Oberstufenschülerinnen und –Schüler der Staudinger-Gesamtschule wählen.

Im Rahmen des Projekts Juniorwahl wurde eine echte Bundestagswahl simuliert. Die Jugendlichen stellten einen eigenen Wahlvorstand sowie Wahlhelfer und organisieren die Wahl selbst. Sie verteilten Wahlberechtigungen, richten das Wahllokal ein und gaben online ihre Stimme ab – natürlich für die Kandidaten aus dem Wahlkreis Freiburg. Für alle eine Premiere. Die betreuenden Lehrerinnen, Nikola Dzembritzki und Stephanie Gaess, waren gespannt, welche Kandidaten und Parteien die Schülerinnen und Schüler wählen.

Parallel zu den ersten Hochrechnungen wurden am Wahlsonntag auch die Ergebnisse der Juniorwahl veröffentlicht. Das Projekt Juniorwahl mobilisiert deutschlandweit 500.000 Schülerinnen und Schüler zur Wahl. Damit ist der Grundstein für ihre spätere Teilnahme an der “echten” Wahl gelegt, denn wie wissenschaftliche Studien ergeben haben, steigert die Juniorwahl die Wahlbeteiligung in der Gruppe der Erstwähler um bis zu 9,2%. Ein beachtliches Ergebnis angesichts der kontinuierlich sinkenden Wahlbeteiligung gerade bei jungen Wählern und eine Chance, Jugendliche wieder für das Thema Politik zu begeistern.

Stina sammelte für Else Wagner

Else Wagner lebte bis 1933 in der Haslacher Carl Kistner-Straße 2 über der Hirschen-Apotheke. Sie wurde kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die Heilanstalt Emmendingen eingewiesen, am 6. August 1940 nach Grafeneck „verlegt“ und dort am selben Tag mit der „Aktion T 4“ ermordet.

Stina Schubien ist Schülerin des Seminarkurses von Geschichtslehrer Frank Hack unter dem Oberthema Freiburg. „Manche haben eher aktuelle Themen wie z.B Asylanten in Freiburg erwählt, für mich jedoch war klar dass meine Arbeit schon eher in die geschichtliche Richtung gehen sollte. Da mich schon immer das Thema des Holocaust interessiert hatte und ich zu meinem 16. Geburtstag auch in Auschwitz war, kam ich darauf, mich mit dem Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Freiburg zu beschäftigen“ erzählte Stina. Und entschied sich für die Fragestellung Das Schicksal der Freiburger Juden nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler am 30.01.1933 – Erinnert Freiburg angemessen an den Holocaust?

Bei ihren Recherchen war sie überrascht, dass Freiburg bei vielen Sachen Vorreiter gewesen sei. „Der Gauleiter Wagner war besonders eifrig, seinen Bereich judenfrei zu machen, was unter anderem dazu führte, dass schon am 22. Oktober 1940 die Deportation nach Gurs stattfand. Im Gegensatz dazu wurden die meisten Deportationen in Großstädten erst 1942 durchgeführt. Auch wurde die Bücherverbrennung nachgeholt, da es am geplanten Datum geregnet hatte.“

Stina wandte sich an Marlis Meckel, der Initiatorin der Stolpersteine in Freiburg, traf sich fortan im zwei- bis dreiwöchigen Rhythmus und führte auf Englisch und Deutsch ein Interview mit Renate Haberer-Krauss, die am 22.10.1940 nach Gurs deportiert wurde, in Chicago. „Über ihre Zeit vor und in Gurs habe ich sie befragt und auch darüber, wie ihr Leben nach dem gelungenen Entkommen aus Gurs verlief.“ Währenddessen formte sich der Gedanke, selbst für die Installation eines weiteren Stolpersteins zu sorgen.

Stina schrieb Mails an Freunde, Familie und Bekannte, ob sie etwas spenden könnten um den Stolperstein für Manfred Kaufmann mit zu finanzieren. „Schneeballprinzipartig haben mehr Leute davon erfahren und waren dann freundlich genug auch ihren Teil beizutragen. Am Ende kam unglaubliche 650 Euro zusammen, mit denen es jetzt möglich ist, die Steine für Frau Else Wagner und die gesamte Familie Kaufmann (3 Personen) zu verlegen. Wem der 5. Stolperstein seinen Namen zurück gibt, ist noch nicht klar.“

Der Stein von Elsa Wagner wurde heute morgen im Beisein ihrer Tochter Irene Schäuble eingesetzt, heute Mittag folgen ab 14 Uhr drei weitere in der Poststraße 5.

Die Badische Zeitung berichtete.

Auch beim Joggen höflich bleiben

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Gernot Erler besuchte die Staudinger-Gesamtschule und berichtete, wie Beruf und Privatleben bei einem Berufspolitiker verschmelzen. Eine Schülerin schrieb:

Neulich war ein Mitglied des Bundestages bei uns um unsere Fragen zu seiner Privatperson zu beantworten, nämlich Gernot Erler der SPD.

Gernot Erler ist 1944 in Meißen geboren, lebt aber inzwischen seit 46 Jahren in Freiburg, ist jedoch als Berufspolitiker fast jede Woche in seiner zweiten Heimat Berlin wo er auch sein Abitur machte. Als er zu uns in den schönen Breisgau kam studierte er dann Slawische Sprachen (Russisch), Geschichte und Politik.

Als Berufspolitiker hat man keine richtige Freizeit. Arbeit und Freizeit verschmelzen miteinander, (mehr …)

Move it – Bilanz

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Zum Abschluss ihres Projektes ließen die drei Gruppen des Teams – Programmkoordination (Leitung A. Vaas), Rahmenprogramm (Leitung Svenja Siemes, Jugendbüro) und Werbung und Öffentlichkeitsarbeit (Leitung Thomas Bartl, Jugendbüro) – den 1. Freiburger Jugendgipfel noch einmal in aller Kürze Revue passieren. Nicht nur das Gesamtziel, einen Tag für Freiburger Jugendliche zu organisieren, an dem sie sich mit ihren Vorstellungen, Wünschen und ihrem Wissen einbringen konnten, wurde erfolgreich realisiert, sondern auch viele Zwischenziele wie „Ablaufplanung“, „Verpflegung“, „Expertengewinnung“ oder „der Veranstaltung ein Gesicht geben“ wurden erreicht.

Trotz eines größeren Arbeitsaufwandes und einiger Probleme wurde die Vorbereitung und Durchführung des Projektes von den Teilnehmern durchweg als bereichernd erlebt. Sie lobten die gute Teamarbeit, die teils lockere, teils hoch konzentrierte Arbeitsatmosphäre, den Spaßfaktor und die Aneignung verschiedener Kompetenzen. Auch, dass die Vorbereitung während der Schulzeit stattfinden konnte (Dank an Frau Vaas, die die Unterrichtszeit in ihrem WP-Kurs 11 zur Verfügung stellte!), fand hohe Anerkennung. Kritisiert wurde insbesondere, dass die Schulleitungen die Teilnahme an dem Jugendgipfel nicht großzügiger ermöglichten.
Der Geschäftsführer des Jugendbildungswerkes, Herr Clemens Cassel, überreichte allen Beteiligten ein Zertifikat, das ihnen ihre Qualifizierung durch das Projekt bescheinigt. (R. Schoenfeld)

Knappes Votum im UN-Sicherheitsrat

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„Wir sollten uns da ganz raushalten!“ – Die Meinung der UN-Sicherheitsrat-Sitzung schien von Beginn an gegen ein Engagement in Afghanistan zu tendieren. Bei der Sondersitzung im Raum 224 der Staudinger-Gesamtschule waren vor allem die zehn nicht ständigen Mitglieder gegen eine militärische Intervention im Krisengebiet. Nur der Vertreter von China forderte unnachgiebig seine „stark bewaffneten Truppen“.
Mit knapper Not konnte sich die Sitzung auf die Durchführung demokratischer Wahlen einigen – vielleicht auch, weil die Art der Bewaffnung recht schwammig blieb: Zuletzt stimmten jedoch die fünf ständigen Mitglieder sowie genügend der nicht ständigen Mitglieder dafür. Die Resolution war angenommen.

Wenige Tage später stand vor den Delegierten aus der 10f mit Jugendoffizier Hauptmann Thomas Erken ein Befürworter des Afghanistankriegs. Oder des „bewaffneten Engagements im Krisengebiets“, wie die offizielle Sprechweise aus dem Verteidigungsministerium lautet. Er legte dar, dass das „Massaker von Srebrenica“ (1995) gezeigt habe, dass gering bewaffnete UN-Soldaten, die lediglich zuschauen können, keine Lösung bieten würden, deswegen das deutlichere Eingreifen im Rahmen des NATO-Einsatzes.

Jugendoffizier Thomas Erken

Jugendoffizier Thomas Erken

Die Schülerinnen und Schüler konnten den Jugendoffizier mit Fragen löchern, vor allem, da er bereits in Afghanistan war und in wenigen Monaten wieder für vier Monate dort als Presseoffizier im Einsatz sein wird – „mit kugelsicherer Weste“. Zuletzt ging es auch darum, selbst Schlüsse aus dem Für und Wider, aus Krieg und Frieden, Wunsch und Wirklichkeit zu ziehen: „Für mich hat der Vortrag des Soldaten eigentlich nichts geändert. Die Situation in Afghanistan ist für mich nach wie vor ein Krieg“ – das war öfters zu hören. Aber auch „ich bin immer noch der Meinung, dass dort bewaffnete Soldaten sein sollten.“ „Ich würde meine Soldaten nicht nach Afghanistan schicken, …“ spiegelte vielleicht die Lage der Freundin des Jugendoffiziers, die gefragt habe, ob nicht jemand anderes statt ihm gehen könne: Von den 3500 ständig in Afghanistan agierenden Soldaten kehrten bislang 30 nicht zurück.
Der folgende Satz umreißt möglicherweise das gesamte Dilemma: „Ich finde es richtig, zur Stabilisation Soldaten zu schicken, wenn es aber nicht gelingt, sollte man es lassen und sie sollten besser geschützt werden.“ Das mit dem Schutz der Soldaten lag auch einer Schülerin besonders am Herzen: Ihr Freund war bereits in Afghanistan im Einsatz – und wird Ende des Jahres während der Durchführung von Wahlen wieder vor Ort sein.

Weitere Infos zum Thema

Dossier der Bundesregierung
Themenseite der Bundeszentral zur Politischen Bildung
Jugendoffiziere derBundeswehr