Stina sammelte für Else Wagner

Else Wagner lebte bis 1933 in der Haslacher Carl Kistner-Straße 2 über der Hirschen-Apotheke. Sie wurde kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die Heilanstalt Emmendingen eingewiesen, am 6. August 1940 nach Grafeneck „verlegt“ und dort am selben Tag mit der „Aktion T 4“ ermordet.

Stina Schubien ist Schülerin des Seminarkurses von Geschichtslehrer Frank Hack unter dem Oberthema Freiburg. „Manche haben eher aktuelle Themen wie z.B Asylanten in Freiburg erwählt, für mich jedoch war klar dass meine Arbeit schon eher in die geschichtliche Richtung gehen sollte. Da mich schon immer das Thema des Holocaust interessiert hatte und ich zu meinem 16. Geburtstag auch in Auschwitz war, kam ich darauf, mich mit dem Nationalsozialismus und Judenverfolgung in Freiburg zu beschäftigen“ erzählte Stina. Und entschied sich für die Fragestellung Das Schicksal der Freiburger Juden nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler am 30.01.1933 – Erinnert Freiburg angemessen an den Holocaust?

Bei ihren Recherchen war sie überrascht, dass Freiburg bei vielen Sachen Vorreiter gewesen sei. „Der Gauleiter Wagner war besonders eifrig, seinen Bereich judenfrei zu machen, was unter anderem dazu führte, dass schon am 22. Oktober 1940 die Deportation nach Gurs stattfand. Im Gegensatz dazu wurden die meisten Deportationen in Großstädten erst 1942 durchgeführt. Auch wurde die Bücherverbrennung nachgeholt, da es am geplanten Datum geregnet hatte.“

Stina wandte sich an Marlis Meckel, der Initiatorin der Stolpersteine in Freiburg, traf sich fortan im zwei- bis dreiwöchigen Rhythmus und führte auf Englisch und Deutsch ein Interview mit Renate Haberer-Krauss, die am 22.10.1940 nach Gurs deportiert wurde, in Chicago. „Über ihre Zeit vor und in Gurs habe ich sie befragt und auch darüber, wie ihr Leben nach dem gelungenen Entkommen aus Gurs verlief.“ Währenddessen formte sich der Gedanke, selbst für die Installation eines weiteren Stolpersteins zu sorgen.

Stina schrieb Mails an Freunde, Familie und Bekannte, ob sie etwas spenden könnten um den Stolperstein für Manfred Kaufmann mit zu finanzieren. „Schneeballprinzipartig haben mehr Leute davon erfahren und waren dann freundlich genug auch ihren Teil beizutragen. Am Ende kam unglaubliche 650 Euro zusammen, mit denen es jetzt möglich ist, die Steine für Frau Else Wagner und die gesamte Familie Kaufmann (3 Personen) zu verlegen. Wem der 5. Stolperstein seinen Namen zurück gibt, ist noch nicht klar.“

Der Stein von Elsa Wagner wurde heute morgen im Beisein ihrer Tochter Irene Schäuble eingesetzt, heute Mittag folgen ab 14 Uhr drei weitere in der Poststraße 5.

Die Badische Zeitung berichtete.