Spaghetti-Essen mit Gästen aus Afghanistan

Mittwochvormittag, 21. Oktober kurz nach 9 Uhr , es herrscht emsiges Treiben in der Schulküche der Staudinger-Gesamtschule:

Schülerinnen und Schüler der Klassen 7d und 7e decken unter Anleitung ihrer Lehrerin Stefanie Metzler routiniert den Tisch, Stühle werden an die lange Tafel gerückt, Spaghetti mit Bolognese Soße aus Schüsseln in die Teller geschöpft. Am Tisch sitzen heute zwei ganz besondere Gäste: Pohand Mohammad Juma Hanif, Dekan der pädagogischen Fakultät der Universität in Herat (Afghanistan) sowie Basir Ahmad Karimi, Abteilungsleiter am psychologischen Institut der Universität Herat.

Die beiden Wissenschaftler haben an der Afghanistantagung der Pädagogischen Hochschule teilgenommen und ihren Aufenthalt in Freiburg eine Woche verlängert, um mehr über das deutsche Schulwesen und die Lehrerausbildung in Deutschland zu erfahren. Ein ähnliches Fach wie „MUM“ (Mensch und Umwelt) gibt es auch in Afghanistan, berichten die beiden Gäste, aber dass Jungen in der Küche stehen und gemeinsam mit Mädchen den Kochlöffel schwingen, beobachten sie mit Staunen. Sie fänden es toll und wichtig, dass auch Jungen Kochen lernen. In ihrer Heimatstadt Herat, die 300 000 Einwohner hat und im Nordwesten Afghanistans liegt, besuchen Mädchen und Jungen getrennte Schulen. Die Ausstattung sei nicht mit deutschen Schulen vergleichbar: Mehrere Küchenzeilen, in den viele Kinder gleichzeitig kochen könnten, gäbe es nicht. Die Kinder bringen die Zutaten, die sie benötigen, von daheim mit, gekocht würde dann nur von wenigen, während die anderen drum herum stehen und zuschauen. Auch Sportanlagen wie es sie an der Staudinger-Gesamtschule gibt, haben in Afghanistan Seltenheitswert, berichtet Herr Hanif, weshalb Schülerinnen und Schüler Sport nur bei gutem Wetter betreiben können. Häufig findet der Sportunterricht als Theoriestunde im Klassenzimmer statt. Und diese Klassenzimmer sind voll. In afghanischen Schulen liegen die Klassengrößen bei  40-70 Schülerinnen bzw. Schülern. Damit alle unterrichtet werden können, werden die Kinder und Jugendlichen in drei Fünfstundenschichten eingeteilt und kommen nacheinander morgens, nachmittags oder auch abends in die Schule – natürlich in Schuluniformen: Die Mädchen in Rock, blickdichten Strumpfhosen, langer Bluse und leichtem Schal, der als Kopfbedeckung getragen wird, die Jungen in Anzughose und weißem Hemd. Im Vergleich zu afghanischen Schulen erscheint den Besuchern die Staudinger-Gesamtschule klein, gibt es  in ihrer Heimatstadt Herat doch auch eine Mädchenschule mit 18 000 Schülerinnen.

Beeindruckt zeigten sich Herr Hanif und Herr Karimi von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft, mit der sie in Freiburg  und an der Staudinger-Gesamtschule willkommen geheißen wurden. Sie fühlen sich wohl und würden gerne eine Kooperation zwischen der Universität Herat und der Pädagogischen Hochschule eingehen. Ein Vorhaben, das auch Frau Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier von der PH-Freiburg, die die afghanischen Gäste  an unsere Schule gebracht hat, unterstützt. Zwar ist es aufgrund der Sicherheitslage momentan nicht möglich, nach Afghanistan zu reisen, aber vielleicht kommen in naher Zukunft ja regelmäßig afghanische Hochschuldozenten und Studierende nach Freiburg und an unsere Schule. Herrn Hanif und Herrn Karimi haben die morgendlichen Staudinger-Spaghetti  jedenfalls sehr geschmeckt.