„Sicher im Umgang mit digitalen Spielen“ – Vortrag von Carmen Kunz und Marco Marsovszky

Jugendliche lieben Computerspiele. Ob „Fifa“, „Clash of Clans“, „Minecraft“ oder „ Clash Royale“ – 93% der 10 bis 18-Jährigen spielen Computerspiele, durchschnittlich ca. zwei Stunden am Tag, wobei Jungs (72%) signifikant mehr „zocken“ als Mädchen (14%, Quelle: JIM-Studie 2016).

Die Onlinewelt wird von Jugendlichen als digitaler Erfahrungsraum erlebt, in dem sich – je nach Interesse – spektakuläre Welten eröffnen. „Das Genreangebot ist riesig“, so Marco Marsovszky, der am wissenschaftlichen Institut des Jugendhilfswerk Freiburg medienpädagogische Projekte betreut und selbst bekennender Computerspielfan ist. Gemeinsam mit der Diplompädagogin Carmen Kunz, die als Expertin für Medienpädagogik und Beraterin für Medienabhängigkeit bereits zum zweiten Mal auf Einladung des „AK Suchtprävention“ an der Staudinger-Gesamtschule zu Gast ist , versucht Marsovszky den anwesenden Eltern die Faszination, die von digitalen Spielen ausgeht, zu erklären: „Computerspiele liefern heutzutage fast reale Bilder. Die Jugendlichen können in den Spielen virtuelle Identitäten annehmen, sie erfahren Anerkennung und fühlen sich zugehörig.“ „Let’s player“, Jugendliche, die sich selbst beim Computerspielen filmen und mit ihren Videos zum Teil ordentlich Geld verdienen, sowie öffentliche Computerspiel-Turniere mit absurd hohen Preisgeldern, tragen zusätzlich zur Faszination bei, so Marsovszky.

Doch was die Jugendlichen fasziniert, besorgt die Eltern. Carmen Kunz betont, dass Medienerziehung für Eltern ein völlig neues Erziehungsthema ist, das sie deshalb so verunsichert, weil sie die Welt der Computerspiele selbst häufig nicht kennen. Insbesondere umstrittene Spiele wie „GTA (Grand Theft Auto)“, die sehr gewalttätig sind, schockieren Eltern. Doch wie soll man damit umgehen, wenn der eigene Nachwuchs sich für Computerspiele begeistert? Carmen Kunz empfiehlt, sich nach der USK-Altersempfehlungen zu richten und generell Interesse an den Computerspielen zu zeigen, die die eigenen Kinder und Jugendliche spielen. Es sei schwierig, wenn Eltern alles verbieten, da Jugendliche, die spielen wollen, heutzutage jederzeit problemlos an die Computerspiele ihrer Wahl kommen, so Kunz. Wichtig sei daher, im Dialog mit dem eigenen Kind zu bleiben und ruhig auch einmal gemeinsam ein Spiel auszuprobieren. Dies ist beispielsweise jeden Freitag in der Computerspielschule Freiburg möglich, wo Eltern auch alle ihre Fragen und Sorgen rund um das Thema Computerspiele mit Experten besprechen können (Konradstraße 14, 79100 Freiburg; Tel.: 0761 7031611; freitags 15-18 Uhr).

In ihrer medienpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen haben Kunz und Marsovszky die Erfahrung gemacht, dass die „Sucht“ nach Computerspielen bei den meisten Jugendlichen nur eine gewisse Zeit umfasst. „Die exzessiven Spielphasen nehmen mit der Zeit meist von selbst ab“, so Kunz.

Herzlichen Dank an den AK-Suchtprävention für die Organisation und an die Volkshochschule Freiburg für die Finanzierung des Vortrags.

 

Text und Fotos: Catherine Pasdar