Schülervorlesung in Heidelberg

Spannungsfeld zwischen Gotteslehre und Atheismus

Unsere Exkursion nach Heidelberg beinhaltete eine Theologievorlesung in der evangelischen Fakultät. Professor Welker von der Universität Heidelberg eröffnete seine Vorlesung mit allgemeinen Informationen über die Exzellenz seiner Universität und einer Übersicht über die Studienmöglichkeiten im Bereich der Theologie.

In einer kurzen Einführung wurde zunächst allgemein in den Raum gestellt, welchen Sinn das Leben ohne eine Form von Gottesglaube haben kann. Dann berichtete Professor Welker von der im Anfang des 20. Jahrhunderts aufgestellten Frage, ob es eine Zukunft der Menschheit mit oder ohne Religion sein wird. Dies sei heute nicht mehr die Frage, sondern wie diese Religion aussehen wird: Ob es eine Zukunft der Menschheit mit gepflegter oder ungepflegter Religiosität geben wird. Unter ungepflegter Religion werden Phänomene wie: religiös motivierter Fundamentalismus, Extremismus und Terrorismus verstanden.

Auf diese Ausführung folgte eine Darstellung des geschichtlichen Atheismus. Kritikpunkte, die beispielsweise von Nietzsche und Marx / Engels geäußert wurden, waren unter anderem: Religion sei ein Spiegel der Menschheit, Produkt der Unendlichkeit des Bewusstseins, eine Form der Verschleierung von wirklichen Lebensverhältnissen und sogenanntes Opium des Volkes. Nietzsche kritisierte außerdem eine Fixierung auf das Jenseits und die sogenannte Herdenmoral der Gläubigen. Diese Kritik wird von der Theologie, wie sie von Welker vertreten wird, als konstruktiv und positiv aufgenommen, da nur durch sie Theologie und Kirche wachsen könne.
Im zweiten Abschnitt der Vorlesung erklärte Professor Welker, wie eine Gotteslehre bzw. Religiosität jenseits der metaphysischen und subjektiven Ebene gelebt werden kann. Hier tauchten vier Orientierungspunkte auf: Den Unterschied zwischen Wahrheit und Gewissheit deutlich machen, eine Differenzierung des Gottesbegriffs erreichen, sich an kanonischen Überlieferungen, also auch die Erkenntnisse der Vergangenheit orientieren und schließlich falsche sowie primitive Dogmen überwinden. All diese Aspekte sollen in der Theologie auf eine größere Wirklichkeit vorbereiten.

Die Vorlesung endete mit einer abschließenden Diskussionsrunde, wobei die vielen Schüler mit dem Fach Religion als Leistungskurs auffielen, was uns an der Staudinger-Gesamtschule leider nicht ermöglicht werden konnte.
Als Grundessenz des Themas lässt sich festhalten, dass Religion etwas Ambivalentes ist, also sowohl positive als auch negative Aspekte mit sich zieht.
Simon Haage J1

Bei der „Affenstatue“ auf der Theodor-Heuss-Brücke, die über den Neckar führt, schossen wir noch ein paar Erinnerungsfotos. Ein großes Dankeschön an den Förderkreis der Staudinger-Gesamtschule, der uns dieses Erlebnis ermöglichte, indem er uns finanziell unterstützte!
Nomi Helbing J1