Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern – Staudis engagieren sich für Flüchtlinge

Zwei Wochen haben 16 Schüler*innen aus den 11. Klassen Spielangebote für Kinder und Jugendliche organisiert, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten und in der „Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge“ (kurz „LEA“) untergekommen sind.

Doch wie kam es dazu? Traditionell absolvieren alle Elfklässler*innen zu Beginn der Oberstufe ihr zweiwöchiges „Compassion“-Praktikum in einer sozialen Einrichtung. Aufgrund von Corona war die Praktikumssuche dieses Jahr jedoch besonders schwierig – nicht alle Jugendlichen waren mit Praktikumsplätzen versorgt. Da schien es wie ein Wink des Schicksals, dass das DRK sich in einem Schreiben an die Freiburger Schulen wandte: Sollten an Schulen Spendenaktionen für die Ukraine stattfinden, so könne man das Geld in der LEA Freiburg zur Finanzierung von Spielangeboten gebrauchen. Spielangebote? Attraktive Freizeitbeschäftigungen? Kreativideen? „Das können wir Staudis doch“, dachte Natalie Gros, stellvertretende Schulleiterin. In Windeseile organisierte sie gemeinsam mit den Compassion-Beauftragten Simone Rombach und Florian Fischer, den Einsatz der Elftklässler*innen in der Erstaufnahmeeinrichtung. Und so kamen die bisher unversorgten Schüler*innen doch noch zu ihrem Praktikum: Sie überlegten sich Beschäftigungsangebote für die Kinder, halfen den Ehrenamtlichen vor Ort, Kleider zu sortieren, Hundefutter in kleine Portionen zu portionieren Sachspenden durchzuschauen. Selten war eine so spontane Aktion so sinnvoll.

Hier die Eindrücke unserer Schüler*innen:

„Als ich gehört habe, dass wir in der LEA Spielangebote für Flüchtlingskinder machen sollen, war ich anfangs ein bisschen skeptisch und wusste nicht, wie die Kinder auf uns reagieren würden. Aber die Leute dort waren sehr offen. Einige Kinder waren auch richtig zutraulich und haben sogar Körperkontakt gesucht. Die Eltern waren glaube ich sehr froh, dass wir ihre Kinder auf andere Gedanken bringen konnten.“ (Senta)

„Wir haben uns überlegt was wir mitnehmen könnten, über was sich die Kinder besonders freuen könnten und was sie eventuell gerne machen möchten, aber zurzeit nicht können. Nachdem das klar war, haben wir uns in Gruppen zusammen gefunden und sind auf die Suche nach Materialien, in der Schule gegangen. Eine Gruppe hat im Internet nach Mandalas und Bastelanleitungen gesucht, ein paar Schüler sind in die Kunsträume gegangen, um dort Farben, Pinsel, Paletten und Becher zu holen. Wir haben aber auch diverse Sportgeräte/Spiele aus den Turnhallen, Innen- und Außenspielausgabe geholt, um möglichst viele Altersgruppen anzusprechen, beispielsweise Fußbälle, Volleybälle, Federballschläger und Bälle, Tischtennisschläger und Bälle, Jonglierteller/-bälle und Spiele wie Schach, Uno, Viergewinnt, Jenga und vieles mehr. Wir haben auch darauf geachtet, dass wir möglichst Spiele mitnehmen, die man auch spielen kann, ohne dass man Deutsch kann. Um noch zu verdeutliche, was man wo machen kann, haben wir noch Plakate gestaltet, mit vielen Zeichnungen. Die Kinder und Familien waren anfangs sehr interessiert und neugierig und haben uns anfangs beobachtet, was natürlich verständlich ist, da wir ja neu waren und man noch nicht wusste, warum wir da waren. Doch nachdem das erste Kind sich an unseren Maltisch gesetzt hat, kamen nach und nach immer mehr. Man hat den Kindern angesehen, wie glücklich sie waren, wieder malen und zeichnen zu können, und die Eltern waren wahrscheinlich auch sehr glücklich darüber, dass sie ihre Kinder wieder unbeschwert lächeln sehen konnten.“(Lea)

„Ich habe mich gefragt, wie wir mit den Kindern kommunizieren sollen, da wahrscheinlich insbesondere die jüngeren kein Englisch sprechen. Aber es war überraschend leicht, die Kinder zum Spielen zu animieren. Es ist wirklich unkompliziert, Kinder für etwas zu begeistern!“ (Karl)

„Ich war beeindruckt, dass die Menschen in der LEA so offen waren und toll reagiert haben, als wir zum ersten Mal dort waren. Und dass sie alle nett waren, obwohl sie uns nicht kannten. Ich fand es toll, dass wir Kinder/Familien dort glücklich machen konnten.“ (Jessica)

„Die Kinder haben sehr beglückt auf uns reagiert. Mich hat jeden Tag aufs Neue überrascht, wie sehr sie sich über unsere Spielangebote freuen.“ (Abdul)

„Mich hat überrascht, wie gut man trotz der sprachlichen Barrieren miteinander kommunizieren kann.“ (Alexander)

„Ich nehme aus dieser Zeit zwei Dinge mit: Erfahrung, wie man mit Kindern umgeht und mehr Selbstvertrauen, wenn es um den Umgang mit fremden Menschen geht.“ (Paul)

„Mich hat verwundert, dass die LEA aussieht wie ein Gefängnis. Viel Sicherheitsbeauftragte. Stacheldraht. Am meisten berührt hat mich eine circa Sechsjährige, die mir beim Tragen helfen wollte.“ (Nour)

„Ich war erstaunt, dass die Leute so offen und glücklich trotz ihrer aktuellen Situation wirken. Ich bin dankbar dafür, dass wir nicht auf Flucht sind und auch nicht im Krieg leben.“ (Fabi)

„Manchmal brauchen die Geflüchteten in unserem Land einfach nur jemandem zum Spielen.“ (Florian)

„Es ist einfach unfair, so lieben kleinen Kindern ihr Zuhause wegzunehmen. Man sieht den Eltern an, wie schwer die Situation für sie ist.“ (Yasmine)

„Anfangs war ich gespannt, wie es werden wird und habe mich gefreut, dass wir etwas Sinnvolles tun, aber hatte auch Sorgen, dass die Kinder eventuell Trauma haben und wir damit nicht richtig umgehen werden. Aber die Menschen haben sich von außen nicht wirklich anmerken lassen, dass sie gerade vor einem Krieg in ihrem Heimatsland geflüchtet sind. Die meisten Menschen und vor allem Kinder waren sehr offen und sind auf uns zugegangen. Die Kommunikation hat auch besser als erwartet geklappt. Am ersten Tag haben wir mithilfe des „Spielmobils“ Leinwände und Farbe aufgebaut. Viele Kinder haben entweder Putin auf ihren Bildern als „Loser“ beleidigt, manche haben Friedhöfe gemal,t auf denen Grabsteine zu sehen waren. Ich habe gemerkt, selbst kleine Dinge, die für uns nicht so bedeutend sind, machen anderen Menschen eine große Freude. Alleine sich mit uns zu unterhalten, macht die Geflüchteten glücklich und hilft ihnen, sich weniger allein in ihrer Situation zu fühlen. Außerdem habe ich nochmal gemerkt, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass ich in einem Land ohne Krieg lebe und nicht von heute auf morgen flüchten und alles zurücklassen muss.“ (ohne Name)„Was ich aus dieser Zeit für mich mitnehme? – Weniger Vorurteile haben.“ (July)

Dankesschreiben des DRK für den großartigen Einsatz