„Ja, wo laufen sie denn…“

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image1Erstaunlich viele Ehemalige folgten der Einladung zu einer winterlichen Wanderung im Schluchseegebiet: Von Altglashütten / Falkau ging es am Windgfällweiher entlang durch den silva nigra nach Aha am Schluchsee.

Die Motivation der Organisatoren dieser Aktivität ist bestimmt von der gemeinschaftlichen Bewegung in der Natur; auf die Reihenfolge wird aus Gesundheitsgründen geachtet: erst laufen und anschließend einkehren.

image2Ökologisch korrekt wurde zur Anreise die Bahn als Transportmittel gewählt. In letzter Minute vor der Abreise im Hauptbahnhof Freiburg traf die Gruppen – Fahrkarte für einige Wandererinnen2 und Wanderer ein. Vermutlich lag es an den schwierigen Recherchen an der Auskunft: Wie erreicht man mit einem E-Bike ICE-mäßig Hamburg?
Vielleicht mussten aber auch zeitlich intensive Sicherungsarbeiten am batterieunterstützten Stahlross in Bahnhofsnähe vorgenommen werden!

Die Fahrkarte hat einige Mitreisende vor der Nachzahlung und einem Bußgeld über 40€ bewahrt; image3diese kostspielige Information gab ein auskunftsfreudiger Kontrolleur der Deutschen Bahn AG bei der Überprüfung der munteren Reisegesellschaft. Nachdem der Bahnmitarbeiter geklärt hatte, wer schon im Hauptbahnhof zugestiegen und welche Wanderfreunde noch in der Wiehre und in Kirchzarten zusteigen wollen, beharrte ein Fahrkarteninhaber mit gültigem Fahrschein ebenfalls auf der Kontrolle desselben.

Diese ungewohnte Hartnäckigkeit beflügelte den Zugbegleiter, grundsätzliche Erfahrungswerte in seinem persönlichen Kontrollverhalten uns darzulegen; denn auch er wird kontrolliert und hat nur einen geringen Handlungsspielraum bei Schwarzfahrerinnen und -fahrern.3

Der Halt in Kirchzarten eröffnete die Möglichkeit, sich in einer Kleingruppe kontrovers mit dem Thema Mountain-Bike-Arena Giersberg zu beschäftigen, das die Bewohner monatelang zerstritten hatte.

Die in der Einladung angekündigten alternativen Wanderrouten wurden während der Zugfahrt kurz besprochen; vermutlich war die Diskussion in Hinterzarten noch nicht beendet; es gab ja noch die Möglichkeit rechtzeitig in Falkau auszusteigen.

Die sanften An- und Abstiege des gebahnten Waldwegs boten Gelegenheit zum Gedankenaustausch, zumal das Wetter den Wanderern gewogen war. Mit Hilfe einer Webcam kann der geneigte Leser sich jederzeit über das Wetter in diesem Gebiet informieren.4

Auf einer Lichtung trafen wir auf Fahrzeuge mit Montage-Personal, das auf den ersten Blick als Betreuungsstation für unsere Wandergruppe gedeutet werden konnte: Eine vorsorglich eingerichtete Energie-Tankstelle für ältere Fußgänger im Hochschwarzwald?

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image6Niemand musste sich hier energetisch auffrischen lassen; die Wanderung konnte unverzüglich Richtung Aha – mit einem Lächeln auf den Lippen – fortgesetzt werden.
Die Kondition von harten Tennismatchen und extremen Wanderungen wurden von einzelnen Teilnehmerinnen voll ausgespielt.
Die fürsorglich eingerichtete „Energie-Station“ mitten in der Waldeseinsamkeit war ein gelungenes Aha-Erlebnis der Wandergruppe. Keiner der beiden Organisatoren wollte sich allerdings zu diesem Service offen bekennen.
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Nach kurzem Fußmarsch erreichten wir den nächsten Service-Halt: Mit Brezeln und einem sebstgebrannten, milden Obstler konnte man sich hier erfrischen.
Leistungssportler in der Gruppe bevorzugten allerdings klares Quellwasser, um das Wanderziel ungedopt zu erreichen.

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image11Schließlich mussten wichtige Entscheidungen getroffen werden: Die bangen Blicke verraten es: Führt uns nun der untere oder der obere Bildsteinweg zum Ziel? Zudem mahnte der skeptische Blick eines Wanderführers zum Aufbruch: Wir wollten ja nach Aha, genauer gesagt nach Oberaha zum Bahnhof.
Der rasante Aufbruch von der Lagerstätte und Abstieg zum Schluchsee brachte einen unerwarteten Zeitgewinn. Nachdem vergessene Walkingstöcke eingesammelt waren, musste erneut beraten werden: Sollten wir am See entlang zum Bahnhof in Schluchsee laufen oder der Verlockung nachgeben und im Wellness – Hotel Auerhahn in Aha Kaffee und Kuchen genießen?
Bevor der geneigte Leser die Antwort erhält, muss an dieser Stelle zunächst eine sprachwissenschaftliche Frage beantwortet werden:
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Warum heißt das Toponym Aha eigentlich Aha?

„Wie kommt Aha zu einem so einprägsamen wie ungewöhnlichen Namen, woher stammt diese Bezeichnung?
Der Schluchseer Ortsteil Aha liegt an der Westspitze des Schluchsees, im Mündungsbereich des Aha-Baches. Das ist auch die Quelle des Namens: Das althochdeutsche Wort Aha, mittelhochdeutsch Ahe, bedeutet nichts anderes als Quelle oder Wasser.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die Siedlung von ihren Gründern als eine „Siedlung am Wasser, an der Quelle des Aha-Baches“ benannt wurde.“5
Die Ortsbezeichnung hat mithin etwas mit der Landschaft und nicht etwas mit dem Aha-Erlebnis der Einwohner zu tun.6
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Zurück zur Entscheidung: Wellness mit Kaffee und Kuchen oder strammer Marsch nach Schluchsee?7
image14image15Die absolute Mehrheit der Wanderer entschied sich nach dem Anblick eines einsamen Pfad-Finders auf einem Weg am Schluchseestrand für die Kaffeerunde im Hotel „Auerhahn“.
Gendergerecht muss erwähnt werden, dass der Auerhahn (Tetrao urogallus) zoologisch zu den Birkhühnern zählt. Die Gasthausnamensforschung hat herausgefunden, dass auch in diesem Fall weniger die vier bis sechs kg eines der größten einheimischen Vögel in Truthahngröße auf der Speisekarte zu finden sind; die bei uns seltenen Auerhähne sind für ihr ungewöhnliches Balzritual im März und April bekannt. Leider haben wir sein Balzlied, das sich aus schnalzenden, wetzenden und klappernden Tönen zusammensetzt, nicht vernommen. Insbesondere hätte uns das Balzliedende musikalisch interessiert: Mit dem Triller, der wie „kalöpkalöpp-kalöppöppöpp“ klingt es nämlich aus.8
Unserer Wandergruppe hat sich kein Vogel in der typischen Balzhaltung mit einem zum Halbkreis auf gespreizten Schwanz, abgewinkelten Flügeln und weit nach oben gerecktem Kopf in den Weg gestellt. Vermutlich wird aus diesen Gründen das Laufen mit Walkingstöcken empfohlen.

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image18 Foto: A. Witzel

Mit Heidelbeer-, Zwetschgenkuchen, Kakao und Kaffee im Auerhahn-Garten klang der Nachmittag aus. Woher im Winter der Kuchenbelag stammte, bzw. ob er aus bio-dynamischem Anbau stammte, blieb dem Kaffeekränzchen verborgen.
Der Kaffee wurde mit Milch und braunem Zucker gereicht; gut so: Damit blieb der Boden der Kaffeetasse unsichtbar. Etwas ungläubig liest man in den Hotelunterlagen, dass die angebotenen Kaffeesorten einer Schweizer9 Rösterei zu den Besten und Genussreichsten auf dem Markt gehören.10 Wir müssen vermutlich einräumen, dass es auch weniger gute Kaffeeernten geben kann.

Nachgetragen sei:
1. Die freundlichen Bedienungen wahrten die Contenance, obwohl sie mehrfach an die zeitlich nahe Zugabfahrt erinnert wurden.
2. Der Treppenaufgang vom Hotel zum Bahnhof wurde von einem verantwortlichen Wanderführer auf Begehbarkeit und Durchlässigkeit nachhaltig geprüft.
3. Die Vollzähligkeit der Wandergruppe auf dem Bahnsteig wurde festgestellt.
4. Alle Teilnehmer erreichten wie geplant nach einstündiger Fahrt ihren Zielort.
Die gelungene Unternehmung klang im Gasthaus Dimitria im Stühlinger gemütlich aus.
Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren für diesen abwechslungsreichen Nachmittag!


Anmerkungen
1 Ausgestrahlt wurde Loriots Auf der Rennbahn erstmals am 2. Januar 1972.
2 Einige Wortprägungen in diesem Text sind dem zeitlich nahen Weltfrauentag geschuldet.
3 Die Diskussion über korrekte Bezeichnungen alternativen Fahrgastverhaltens verlangt vom Autor an dieser Stelle eine weniger diskriminierende Beschreibung: andersfarbiges Fahrverhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln mit erhöhtem Beförderungsentgelt.
4 de.webcams.travel/webcam/1303986868-Wetter-Schluchsee-im-Schwarzwald-Aha
5 www.badische-zeitung.de/schluchsee/…
6 Abbildung1: Diese Markierung auf dem Fußweg hat einige männliche Teilnehmer zum Nachdenken gebracht!
8 www.kindernetz.de/oli/tierlexikon/auerhahn/
9 Vergleiche letztes Foto mit der verfremdeten Kuh im Mittelgrund!

10 www.auerhahn.net/de/kaffeeroesterei-graf

Literaturhinweise

Freiburg im März 2013, Fotos und Text Bert Färber