Im Gespräch mit „Zeugen der Flucht“

Ethikunterricht der anderen Art erlebte am 20. November der Ethikkurs Klasse 7 von Hr. Graser: Mohammad Alsaka (28) und Mohammad Kaboul (20), zwei syrische Flüchtlinge, die inzwischen hier in Freiburg wohnen, erzählten den jungen Schülerinnen und Schülern ihre Geschichten.  Beide sind erst seit zwei Jahren in Deutschland, sprechen aber erstaunlich gut Deutsch. Bei Verständigungsproblemen vermitteln Lisa Ertle und Melanie Sandhaas, zwei Freiburger Studentinnen, die das Projekt „Zeugen der Flucht“ mit ins Leben gerufen haben.

Gebannt lauschen die Jugendlichen Alsaka, dessen Spitzname seit einem Buchstabendreher im Sprachkurs „Alaska“ lautet: „Ich war insgesamt 11 Tage unterwegs, bin nachts von der Türkei mit dem Boot nach Griechenland übergesetzt. Das waren die schlimmsten sieben Stunden meines Lebens. Ich wusste, du hast nur diese eine Chance – entweder du kommst gut an oder gar nicht.“ Alaska, der nach einjährigem subsidiären Schutz inzwischen eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis hat, erinnert sich an seinen beschwerlichen Weg über die Balkanroute, an die enorme Kälte, seine blaugefrorenen Hände. Wehmütig klingt er, wenn er an seine syrische Heimatstadt Latakia denkt, die „so ähnlich wie Freiburg ist – schön, mit viel Grün und Bergen ähnlich dem Schwarzwald“. Inzwischen studiert der ehemalige Bauingenieur in Freiburg soziale Arbeit und arbeitet nebenher beim Radio.

Wie sein Freund Alaska ist auch Mohammad Kaboul wegen des drohenden Militärdiensts vor zwei Jahren aus Syrien geflohen: „Beim Militär hätte ich Dinge tun müssen, die ich nicht kann. Menschen verhaften, Menschen töten.“ Gemeinsam mit sieben Freunden und zwei Familien aus seinem Heimatdorf floh Kaboul über den Libanon und die Türkei nach Griechenland und von dort weiter nach Freiburg, wo er mit seinem Bruder und einem Freund nun in einer Wohnung zusammenlebt. „Habt ihr eigentlich Angst vor Männern mit Bart?“, fragt er die Schülerinnen und Schüler. Ressentiments abzubauen, das sehen die beiden Flüchtlinge gemeinsam mit den beiden Studentinnen, die das Projekt begleiten, als ihre Hauptaufgabe. Und es ist offensichtlich, dass die Begegnung für die Klasse eindrücklich ist. Mit Mohammad und Alaska hat die ansonsten oft abstrakte Flüchtlingsthematik für die Jugendlichen zwei Gesichter bekommen. Gesichter, die oft lachen, die aber angesichts ihrer Schicksale auch sehr nachdenklich machen.

Auch die Badische Zeitung berichtete über den Besuch.

Am 11. Dezember war ein zweites „Zeugen der Flucht“-Team zu Besuch – diesmal bei der 10b von Frau Winkler. Die drei Flüchtlinge Hani, Mohammed und Hayyan aus Syrien wurden von Lisa und Judith begleitet. Danke, dass ihr gekommen seid und eure persönlichen Fluchtgeschichten mit uns geteilt habt.