„Gewalt im Leben von Jugendlichen“ – Vortrag von Prof. Adolf Gallwitz

„Jugendliche werden statistisch viel häufiger Opfer von Gewalt als selbst zu Tätern“, erklärte Prof. Adolf Gallwitz, Psychologe und Soziologe, beim Themenabend „Gewalt im Leben von Jugendlichen“, zu dem der Arbeitskreis Suchtprävention am 6. Juni geladen hatte. 

In seinem Vortrag ging der Experte, der an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen lehrt und als Gutachter am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag tätig ist, auf die unterschiedlichen Formen von Gewalt ein, von denen Jugendliche betroffen sind: sexuelle und körperliche Gewalt, psychische Gewalt durch Ausgrenzung und Mobbing, sowie Gewalterfahrungen in sozialen Netzwerken und in modernen Medien. Jede Form von Gewalt habe, besonders wenn es sich nicht um einmalige, sondern sich wiederholende Ereignisse handle, massive Auswirkung auf das Leben der Opfer. Jugendliche, die Gewalt erleben müssen, leiden häufig unter einem geringen Selbstwertgefühl, werden depressiv, aggressiv oder haben Suizidgedanken.

Gerade die Jugend sei eine gefährliche Lebensphase, so Gallwitz, gibt es die meisten Gewaltopfer doch in der Gruppe der 14 bis 21-Jährigen. Oft müssen Jugendliche in der eigenen Familie Gewalt erleiden oder zwischen den Eltern beobachten – beides traumatische Erfahrungen, die fatalerweise zu einem erhöhten Risiko führen, später selbst die eigenen Kinder zu misshandeln.

Doch auch die Schule ist ein Ort, an dem Jugendliche Gewalt tagtäglich Gewalt erleben. Die Zahlen von Prof. Gallwitz sind erschreckend: Über 50% aller Schülerinnen und Schüler geben an, in der Schule Opfer systematischer Schikane gewesen zu sein.

Bei Mobbingfällen gibt es immer zwei Gruppen, wobei die Täter und ihre Unterstützer prozentual die Minderheit ausmachen. Viel größer ist die Zahl der potenziellen Unterstützer, die dem Mobbingopfer eigentlich beistehen könnten, es aber häufig aus Angst, selbst zum Opfer zu werden, nicht tun.

„Mobbing funktioniert nur, wenn alle in der Klasse es zulassen“, so Gallwitz. Man müsse die Zuschauer in der Klasse, die das Mobbing tolerieren, stärken und ihnen verdeutlichen, dass sie von den Tätern instrumentalisiert werden. Jede(r) kann Opfer von Mobbing werden, betont Gallwitz, besonders häufig gerade auch gute Schülerinnen und Schüler.

Wie aber kann man Jugendliche vor Gewalt schützen? Gewaltprävention muss an zwei verschiedenen Stellen ansetzen, so Gallwitz: Zum einen mit Maßnahmen, die sich gezielt an Schülerinnen und Schülern richten, die bereits als Täter auffällig geworden sind, zum anderen, indem Schulen Gewaltpräventionskonzepte etablieren und familiäre Strukturen schaffen.

Zudem müssten Jugendliche, die zu Opfern werden, sich aber auch klar verständig machen und sich trauen, Hilfe einzufordern. Leider sei es in unserer Gesellschaft heute nämlich immer noch so, dass die Opfer von Gewalt ein schlechteres Ansehen hätten als Täter.

 

Herzlichen Dank an den AK-Suchtprävention für die Organisation des Abends, an die Volkshochschule Freiburg, die den Vortrag finanziert hat, und an die SOFA-AG für die wunderbare kulinarische Versorgung.

(Catherine Pasdar)