Förderung von Kraft und Gleichgewicht

im Schulsport des Profilfaches Sport der 11. Klasse: Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung

Die Studie war ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel (ISSW Basel), dem Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg (IfSS Freiburg), der Staudinger Gesamtschule und dem Olympiastützpunkt Freiburg. Untersucht wurden die Auswirkungen eines im Schulsport durchgeführten Schnellkrafttrainings mit Jugendlichen auf die Beinkraft und das Gleichgewicht. Dabei wurde auch auf die Fragestellung der Nachhaltigkeit der Trainingseffekte eingegangen. Die drei Messungen fanden unter Leitung von Dr. Urs Granacher (ISSW Basel) und Britta Dörflinger (IfSS Freiburg) im Biomechaniklabor des IfSS Freiburg im Olympiastützpunkt Freiburg statt.
Es handelte sich hierbei um die erste Krafttrainingsstudie an Kraftmaschinen, die im Rahmen des Schulsports in Deutschland durchgeführt wurde.

Hintergrund dieser Untersuchung ist die Tatsache, dass sich die körperliche Aktivität deutscher Kinder und Jugendlichen während der letzten 20 Jahre erheblich verringerte und dies mit einer deutlichen Verschlechterung der motorischen Leistungsfähigkeit einherging (Bös, 2003). Eine Möglichkeit, um diesen Defiziten vorzubeugen beziehungsweise sie zu beheben, stellt der Schulsport dar, da über die Schule ein großer Anteil von Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund erreicht werden können.

einbeinige Standstabilität

Methodik

An der Studie nahmen 33 Schüler der elften Klassen der Staudinger Gesamtschule in Freiburg teil. Die Interventionsgruppe (Trainingsgruppe) bestand aus 16 Schülern und Schülerinnen des Sportprofils. Als Kontrollgruppe dienten 17 SchülerInnen des Pflichtsports. Mit der Interventionsgruppe wurde ein achtwöchiges Schnellkrafttraining im Rahmen des Schulsports durchgeführt. Die Schüler trainierten an Kraftmaschinen und mit freien Gewichten (z.B. Langhantelstange) unter Aufsicht von geschultem Personal. Vor (Prä-Messung) und nach (Post-Messung) der Trainingsphase sowie nach einer siebenwöchigen Trainingspause (Follow-up- Messung) durchliefen alle Probanden eine Messreihe bestehend aus vier Testverfahren. Es wurden die Maximal- und Schnellkraft der Beinstrecker in einer Beinpresse und die maximale Sprunghöhe beim Vollzug eines Hoch-Tief-Hoch Sprunges mittels Kraftmessplatten erfasst. Zusätzlich wurde das Gleichgewicht im Einbeinstand auf einer Gleichgewichtsplatte und während der Kompensation eines Gleichgewichtstörenden Störreizes ermittelt.

Ergebnisse

Die Trainingsgruppe zeigte im Vergleich zur Kontrollgruppe statistisch signifikante Verbesserungen bezüglich der Maximalkraft der Beinstrecker und der Sprunghöhe im Hoch-Tief-Hoch Sprung nach dem Training. Die Maximalkraft der Interventionsgruppe war auch sieben Wochen nach Trainingsende noch signifikant höher als zu Beginn des Trainings. Die Explosivkraft der Trainingsgruppe sowie verschiedene Parameter der Gleichgewichtsanalyse zeigten Tendenzen jedoch keine statistisch signifikanten Verbesserungen auf.

Schlussfolgerung

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass durch ein im Schulsport durchgeführtes Schnellkrafttraining mit Jugendlichen die Maximalkraft der Beinstrecker und die Sprunghöhe im Hoch-Tief-Hoch Sprung gesteigert werden können. Weiterhin wurden nach Beendigung des Trainings überdauernde Effekte der Maximalkraft ermittelt. Die erzielten Effekte könnten dazu beitragen, die Leistung der Schüler/Schülerinnen in verschiedenen sportlichen Disziplinen zu verbessern. Der Einbezug einer solchen Trainingsmaßnahme in den Schulsport erscheint daher vor dem Hintergrund einer sich stetig verschlechternden motorischen Leistungsfähigkeit deutscher Kinder und Jugendliche eine sinnvolle Maßnahme zu sein.

beinkraft

Ein besonderer Dank gilt allen Schülern und Schülerinnen für ihr tolles Engagement während den Trainings- und Untersuchungsterminen. Die Sportprofilschüler hatten im Verlauf dieser Studie einen sehr guten Einblick in die sportwissenschaftlichen Arbeitsmethoden und somit gute Grundlagenkenntnisse im Hinblick auf das Sportabitur erlangt.
Dr. U. Granacher, B. Dörflinger, R. Strohmeier

Literatur

1. Bös K: Motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. In: Schmidt W, Hartmann-Tews I, Brettschneider WD, eds. Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schorndorf: Hofmann Verlag (2003). pp 85-109.

Bild oben: Messung der einbeinigen Standstabilität
Bild unten: Isometrische Maximalkontraktion am Beinkraftmessgerät