Begeisterter Empfang für Linn Kazmeier

Mit diesem phänomenalen Erfolg hat sie alle überrascht – auch sich selbst.

Insgesamt fünf Medaillen hat Linn Kazmeier, Schülerin an der Staudinger-Gesamtschule, bei den paralympischen Winterspielen gemeinsam mit ihrem Begleitläufer Florian Baumann gewonnen: Bronze im Skilanglauf über 1,5 km, drei Mal Silber (Skilanglauf 15 km, Biathlon 6 km, Biathlon 12 km) und schließlich Gold im Skilanglauf über 10 km. Von ihren Mitschüler*innen aus den 9. Klassen wurde die erst fünfzehnjährige Linn daher bei ihrer Rückkehr in die Staudinger-Gesamtschule am Donnerstag, 17. März mit einem großen Empfang geehrt. „Ich kann es selbst manchmal noch nicht glauben“, sagt Linn, die trotz ihrer herausragenden Leistung ganz bescheiden auftritt und wie selbstverständlich drei ihrer olympischen Medaillen aus dem Rucksack zieht: „Ich habe euch einmal Gold, Silber und Bronze mitgebracht.“

„Das ist ein ganz außergewöhnlicher Erfolg“, betont Schulleiter Martin Baumgarten. Dass Linn in Peking so sensationell abgeschnitten hat, sei „ihrem Talent, ihrem Fleiß und ihrer Hingabe“ zu verdanken, erklärt Jürgen Willrett vom Olympiastützpunkt Freiburg, wo Linn Kazmeier im Sportinternat wohnt. Wenn sie denn da ist. Tatsächlich ist der Alltag der Topathletin eng getaktet: Neben Schule, Hausaufgaben und täglichem Training standen in den letzten Monaten mehrfach Lehrgänge, mehrwöchige Trainingslager, die deutschen Meisterschaften in Oberhof sowie die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft in Lillehammer auf dem Programm. Trotz ihrer hohen Fehlzeiten kommt Linn in der Schule gut mit. Das liegt an der engen Kooperation der Schule, die das Prädikat „Eliteschule des Sports“ trägt, mit dem Olympiastützpunkt Freiburg, der sich um Nachwuchsleistungssportlerinnen wie Linn kümmert. „Wir sind sehr dankbar für diese gute Kooperation seit nunmehr über drei Jahrzehnten“, so Willrett.

In der offenen Fragerunde beantwortet Linn Kazmaier geduldig die Fragen ihrer  gleichaltrigen Mitschüler*innen: Ob ihre Eltern mit nach Peking durften? – Nein, wegen der strengen chinesischen Coronaregeln. Was sie im olympischen Dorf in der Freizeit gemacht hat? – Kicker gespielt und VR-Brillen ausprobiert. Seit wann sie ihre Sehbeeinträchtigung hat? – Seit der Geburt. Sie hat nur 4 % Sehkraft und sieht verschwommen. Wie sie mit ihrem Guide Florian Baumann kommuniziert? – Durch einfache Zurufe. Wie das mit dem Schießen beim Biathlon funktioniert? – Sie hört Piepstöne, die immer kürzer und höher werden. Was ihr nächstes Ziel ist? – Auch zu gewinnen, wenn die ganze Konkurrenz, insbesondere die starken russischen Läuferinnen am Start seien.

Wenn man es jemandem zutraut, dann ihr: Linn war bei den Paralympics in Peking die jüngste deutsche Starterin und steht somit erst am Anfang ihrer Karriere, die bereits jetzt außergewöhnlich ist.

Text und Bilder: Catherine Pasdar