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Bauen, tüfteln und entdecken – Hinter den Kulissen des Schülerforschungszentrums

„Auf diesem Moment habt ihr jetzt vier Wochen gewartet“ – mit Leuchten in den Augen gratuliert Gerhard Löffler Rosa (14), Nora (15) und Roan (15), die stolz auf das selbst gebaute Kettenkarussell blicken, das vor ihnen steht. Mit großer Geschwindigkeit drehen sich die Figuren in ihren kleinen Sitzen im Kreis, fliegen höher und höher. Das Besondere daran: Die drei Jugendlichen, die das Berthold-Gymnasium besuchen, haben auch den Motor für ihr Modell selbst gebaut. Angetrieben wird das Karussell von einer großen Brennstoffzelle, die zehn Liter Wasserstoff enthält. Ein paar Plätze weiter tüftelt Karl, der die achte Klasse der Staudinger-Gesamtschule besucht, gerade daran, wie er den Fahrradfahrer, den er aus Fischertechnik konstruiert hat, schneller in die Pedale treten lassen kann, während Jeany und Michelle, ebenfalls in der achten Klasse der Staudinger-Gesamtschule, über Elektrolyse fachsimpeln.

Jeden Dienstagnachmittag kommen naturwissenschaftlich begeisterte Jugendliche aus der Region zum Kurs „Modellauto mit Wasserstoffantrieb“ im Chemiesaal der Staudinger-Gesamtschule zusammen, um gemeinsam im Schülerforschungszentrum Freiburg zu experimentieren. Im Mittelpunkt steht das entdeckende Lernen im Team. „Das Schülerforschungszentrum wendet sich an alle Kinder und Jugendliche, die sich über den Schulunterricht hinaus mit spannenden technischen und naturwissenschaftlichen Fragen auseinandersetzen möchten“, so Markus Eppinger, Geschäftsführer des Vereins „Schülerforschungszentrums Freiburg e.V.“.

Ermöglicht wird diese durch die Unterstützung externer Partner. Jens Kröger von der Firma „Endress und Hauser“, die das Schülerforschungszentrum finanziell unterstützt, ist bei seinem Kurzbesuch am Dienstag, 14. Mai von der Experimentierfreude der Jugendlichen beeindruckt. Professionell und mit Hilfe von selbst erstellten Videos erläutern die Nachwuchsforscher, was sie im aktuellen Kurs über Batteriefunktionen, Elektrolyse und Brennstoffzellen gelernt haben. „Man sieht, dass ihr das, was ihr hier macht, gerne macht. Und das ist auch für eure spätere Zukunft wichtig, denn dann seid ihr zufrieden und erfolgreich“, lobt Jens Kröger. Auch Gerhard Löffler, der an der Staudinger-Gesamtschule als Chemielehrer arbeitet und die Jugendlichen bei ihren Forschungen begleitet, ist sehr zufrieden: „Die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler untereinander ist wirklich überragend.“ Wie motiviert alle sind, wird am Beispiel des Sechstklässler Mathin deutlich: Er nimmt jede Woche den langen Weg aus Neuenburg auf sich, um am Schülerforschungszentrum teilzunehmen.

Wer mehr über die Arbeit des Kurses erfahren möchte, hier geht es zum Film.

Text und Fotos: Catherine Pasdar

Musik liegt in der Luft!

Beim diesjährigen Frühlingskonzert am 26. April begeisterten die Musikklassen, die Mittelstufen- und Oberstufen-Bands sowie die Staudi-Singers das Publikum. Mit einem bunten Repertoire zeigten sie die musikalische Vielfalt an unserer Schule. Herzlichen Dank an alle Beteiligten und an die Organisatoren für den wunderbaren Abend!

Mit den Spenden für das Frühlingskonzert wird dieses Jahr die Hilfsorganisation „Amica e.V.“ unterstützt, die sich für Frauen und Mädchen in Krisenregionen einsetzt.

„Wer war Hermann Staudinger?“ – Themenabend zum umstritten Namensgeber unserer Schule

Herrmann Staudinger, der Namensgeber unserer Schule, ist im Rahmen der Überprüfung der Freiburger Straßennamen in den Fokus des Interesses gerückt. Kann und will sich unsere Schule mit dem berühmten Chemiker und Nobelpreisträger, dessen Rolle im Dritten Reich undurchsichtig ist, weiterhin identifizieren?

Die Schule hat sich auf den Weg gemacht, in einem länger andauernden Prozess unter Mitwirkung aller am Schulleben Beteiligten, diese Frage zu prüfen. Als Auftakt fand hierzu am Dienstag, 4. April ein Themenabend zu Hermann Staudinger statt, der vom vierstündigen Geschichtskurs von André Schulz inhaltlich vorbereitet wurde und zu dem die Schule gemeinsam mit Elternbeirat und Förderkreis geladen hatte. Als Gäste saßen Prof. Dr. Bernd Martin (Historiker und Vorsitzender der Straßennamenkommission), Prof. Dr. Carl Priesner (Wissenschaftshistoriker, Erschließung des Hermann Staudinger Nachlasses an der Universität München), Dr. Renate Kiefer (Altstadträtin und ehemalige Elternbeiratsvorsitzende der Staudinger-Gesamtschule) sowie die beiden Schüler Maximilian Frei und Pascal Jäger als symbolische Vertreter der Zeitzeugen auf dem Podium.

Prof. Priesner, der sich intensiv mit Staudinger beschäftigt hat (das Staudinger-Archiv in München umfasst alleine 27 000 Briefe), macht von vorneherein klar, dass er den berühmten Makromolekularforscher „nicht für einen Antisemiten“ hält. Für ihn sind Staudingers antisemitischen Äußerungen sowohl im historischen Kontext zu sehen, als auch in einem persönlichen Disput mit den jüdischen Wissenschaftlern Hermann F. Mark und Kurt Heinrich begründet, deren wissenschaftlichen Erfolge Staudinger als unerträgliche Konkurrenz empfunden habe. Priesner verweist zudem auf Staudingers pazifistischen Äußerungen und Publikationen im 1. Weltkrieg. Durch seinen früheren Appell, auf chemische Waffen als menschenverachtende Kriegstechnik zu verzichten, habe bei vielen Nationalsozialisten Zweifel an Staudingers politischen Gesinnung bestanden und Staudinger wurde von Martin Heidegger, Rektor der Freiburger Universität, sogar denunziert.

Prof. Martin gesteht ein, dass eine endgültige Beurteilung Staudingers schwierig sei. „Man kann Staudinger nicht einfach einen Antisemiten nennen, es ist viel komplexer“, so Martin. Zwar gebe es klare Beweise, dass Staudinger Halbjuden namentlich diffamiert hat und sich mehrfach beim Ministerium beschwerte, dass er an seinem Institut „Halbjuden unterrichten“ müsse. Andererseits gebe es eben aber auch Berichte von Zeitzeugen, die versicherten, Hermann Staudinger habe sie als Halbjuden persönlich vor dem NS-Regime geschützt. Pascal Jäger, Schüler des Geschichtskurses, zitiert hierzu Marianne Meier, die Staudinger nachdrücklich in Schutz nimmt und sagt, er habe „die ausschlaggebende Rolle gespielt“, dass sie als Halbjüdin weiterstudieren durfte.

Wie also ist Hermann Staudingers Rolle im Dritten Reich zu beurteilen? „Wir befinden uns als Historiker in einer Aporie, einer Ausweglosigkeit“, so Prof. Martin. „Es sind nur Erklärungsversuche möglich, genau werden wir die Rolle Staudingers nicht ergründen können.“

Hat Staudinger Halbjuden denunziert, um sich gegenüber dem NS-Regime zu positionieren? Oder ging es ihm darum, mit antisemitischen Äußerungen seine Forschung und sein Institut zu schützen? Warum aber hielt er zugleich seine „schützende Hand“, so eine Zeitzeugin in einem Dankesbrief an Staudingers zweite Ehefrau Magda, über ihm persönlich bekannte Halbjuden? Die Antworten auf die Fragen nach Staudingers moralischen Beweggründen bleiben offen.

Einig sind sich die Experten Prof. Priesner und Prof. Martin jedoch in der wissenschaftlichen Beurteilung Hermann Staudingers. Beide sehen in ihm einen der größten deutschen Naturwissenschaftler, dem seine Forschung über alles stand. „Er war ein Opportunist“, stellt Martin klar. Und Priesner sieht in Staudinger einen Repräsentanten der „bürgerlichen Eliten, durch die das System stabilisiert wurde“.

Die Straßennamenkommission hat der Stadt Freiburg deshalb in ihrem Gutachten empfohlen, die Staudingerstraße mit einem Hinweisschild zu versehen, das Staudingers ambivalente Rolle im Dritten Reich verdeutlicht. Es bleibt jedoch die Frage, ob eine Schule weiterhin nach Hermann Staudinger benannt bleiben kann. Die Historiker Priesner und Martin meinen: „Ja. Als Wissenschaftler kann Staudinger aufgrund seiner Leistungen durchaus geehrt werden.“ Es bleibt abzuwarten, ob die Schulgemeinschaft sich dieser Einschätzung anschließen wird.

Auch die Badische Zeitung berichtete über den Themenabend.

Text und Bild: Catherine Pasdar

138 Radfahrer und ein Ginkobäumchen

138 Radfahrerinnen und Radfahrer, unter ihnen viele Prominente, fuhren am Donnerstag, 30. Juni 2016 um acht Uhr morgens zum offiziellen Start der dreitägigen „Ginko-Tour“ ins Rondell unserer Schule  ein . Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, Schulleiter Martin Baumgarten sowie Schülerinnen und Schüler der Staudinger-Gesamtschule und der Pestalozzischule begrüßten die Athletinnen und Athleten, die in den kommenden drei Tagen über 300 Kilometer und fast 3000 Höhenmeter zurücklegen werden. Der Erlös der Spendentour geht dieses Jahr an die Rehabilitationsklinik Katharinenhöhe im Schwarzwald. Mit dem Geld sollen Unterkünfte für Familien mit einem schwer erkrankten Kind finanziert werden. Anja Gössel, Vorsitzende des Förderkreises , übergab Christiane Eichenhofer, der Initiatorin der „Ginko-Tour“ einen Scheck in Höhe von 505 Euro und bedankte sich: „Wir freuen uns, dass wir als Schulgemeinde an Ihrem Projekt teilnehmen durften und diese wertvolle Aktion durch den Verkauf von Ginkobäumchen und selbst gebackenen Kekse  unterstützen konnten.“ Einen Ginkobaum gab es auch für die Staudinger-Gesamtschule. Christiane Eichenhofer, die für ihr Engagement im April 2016 von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde, bedankte sich damit für das Engagement der Schulgemeinschaft.