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Die neuen Fünftklässler backen Pizza am Werki

Zum Abschluss ihrer ersten Schulwoche haben die jüngsten Staudis, die diesen Dienstag eingeschult wurden, alle gemeinsam Pizza gebacken und damit als erste Klassen den neuen Pizzaofen eingeweiht.

Was für andere nach einer undurchführbaren Aktion klingt – Pizzabacken mit über 150 Kindern – wird von Gerhard Löffler, Klassenlehrer der 5a und Initiator des neuen Pizzaofens am Werki, souverän gemanagt. Blech um Blech schiebt er geduldig die Pizzen in den Ofen, während an den sechs Klassentischen fleißig nachproduziert wird. Gemeinschaftlich kneten die Fünftklässler Teig, verteilen die Tomatensauce, streuen Käse und verkosten begeistert ihre Pizzen. Ein gelungener Abschluss der ersten Schulwoche im Jahrgangshaus 21!

Der neue Pizzaofen wurde vom Förderkreis finanziert und seit Ostern mit viel Engagement von Eltern, dem Werki-Team und einzelnen Lehrkräften gebaut. Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die das Projekt ermöglicht haben und damit einen weiteren tollen Ort an unserer Schule geschaffen haben, an dem man gesellig zusammenkommen kann.

„13:45 Uhr, Gleis 9, nach München“ – Bahnhofsszenen auf der Bühne

Kaum zu glauben, aber zum Ende dieses speziellen Schuljahres, in dem so vieles, das Schule besonders und schön macht, einfach entfallen musste, gab es tatsächlich doch noch eine ECHTE Aufführung. Auf der Bühne des Theatersaals präsentierten die „Literatur und Theater“ Kurse der J1, geleitet von Frau Graf und Herrn Schulz, am Mittwoch, 14. Juli, ihre collagenartig arrangierten Bahnhofszenen, die alle von den Schüler*innen selbst inszeniert wurden.

Am Bahnhof kreuzen sich die Lebenswege der unterschiedlichsten Figuren: die Alienprinzessin „Grazia Gala“ trifft auf einen Currywurstverkäufer, der örtliche Drogendealer wird von einem Teenager hereingelegt, ein Schwarzfahrer raubt mit seiner Ticketsammlung der Schaffnerin den letzten Nerv, die Braut erkennt in letzter Sekunde, dass sie den Falschen heiraten will, eine Pazifistin versucht einen Afghanistansoldaten zu bekehren, Reisende verzweifeln am „Gleiskoordinationsautomaten“ und ein rührseliger Alter glaubt, in einer jungen Frau seine verstorbene Gattin wiederzuerkennen.

Genauso vielfältig wie die Figuren muten die Inszenierungen der einzelnen Szenen an: von völlig skurril, philosophisch tiefgängig, gnadenlos komisch, beschwingt, melancholisch bis traumartig. Die einzelnen Sequenzen fügen sich harmonisch ineinander, immer wieder erinnern typische Bahnhofsdurchsagen an den Handlungsort, an dem alle Szenen spielen: „Hier am Bahnhof kommen viele Menschen vorbei. Er ist quasi wie ein Umschlagplatz“, heißt es in einer Szene.

Die beiden LuT-Kurse haben diesen Umschlagplatz auf der Bühne in beeindruckender Weise zum Leben erweckt. Ein kurzweiliger, sehr unterhaltsamer Nachmittag, der dem Publikum großen Spaß gemacht hat. Danke!

„Lieber Unbekannter…“ – Briefe ins 22. Jahrhundert

Im Rahmen des 900.-jährigen Stadtjubiläums, das 2020/ 2021 gefeiert wird, hat die Stadt Freiburg dazu aufgerufen, Briefe zu schreiben, die erst in 100 Jahren geöffnet werden. Ob an die noch ungeborenen Urenkel, eine Person, die dann in der eigenen Wohnung leben wird, den Bürgermeister, eine Schülerin, … – ganz egal!

Auf dieses spannenden Experiment haben sich die Klassen 10a und 10b mit viel Engagement eingelassen. Zunächst haben die Schüler*innen mit ihren Deutschlehrerinnen Frau von Thenen und Frau Pasdar überlegt, wie es ihnen selbst gehen würde, wenn sie einen Brief von jemandem erhalten würden, der vor 100 Jahren gelebt hat. Welche Fragen würden sie dieser Person gerne stellen? Schnell kristallisierten sich so für das eigene Schreiben verschiedene Themenfelder heraus: persönliche Lebensumstände, Alltagsleben in Freiburg, politische und gesellschaftliche Debatten, Stand der Wissenschaft, technischer Fortschritt, Leben in Zeiten einer Pandemie etc. Aus diesem Potpourri an Ideen entwickelten sich die individuellen Briefe, die an ganz unterschiedliche Empfänger adressiert wurden: an die eigene Nachfahren, an einen Zehntklässler an der Staudinger-Gesamtschule oder einem Gymnasium, an den zukünftigen Leiter des Stadtarchivs, an die Bewohner*innen der eigenen Adresse, an ein 16-jähriges Mädchen aus einem afrikanischen Land, an einen Jugendlichem im Fußballverein St. Georgen, an das historische Institut der Universität Freiburg, und und und.

Herausgekommen sind viele persönliche Briefe, die die Zehntklässler*innen gemeinsam feierlich in den Stadtjubiläums-Briefkasten am Rathaus eingeworfen haben. Die Empfänger im Jahre 2120 dürfen sich freuen!

Stimmen der Schülerinnen und Schüler zum Briefprojekt:

„Ich habe mir während des Schreibens immer wieder überlegt, wie die Zukunft wohl sein wird. Das hat mich echt inspiriert.“

„Anfangs hatte ich nicht so Lust, einen Brief zu schreiben. Als ich dann angefangen habe zu schreiben, hat es eigentlich voll Spaß gemacht. Letztendlich war es voll gut, so einen Brief zu schreiben.“

„Ich bin nachdenklich: Wie wird der Adressat reagieren? Wie wird es in 100 Jahren sein?“

„Ganz coole Idee. Hoffentlich kommt mein Brief auch an.“

„Lustige Vorstellung: Ich schreibe an mein Urenkelkind, das noch nicht mal geboren ist.“

„Das Schreiben hat mir wider Erwarten Spaß gemacht. Im Nachhinein bin ich auch ein bisschen stolz, so etwas gemacht zu haben.“

„Der Brief hat mich über meine eigenen Vorfahren nachdenken lassen. Das war schön. Ich bin interessiert auf die Antworten, die ich leider nie bekommen werde.“

„Anfangs: nicht so Bock drauf. Währenddessen: übelst interessant. Danach: irgendwie weird.“

„Ich bin optimistisch, dass irgendwer meinen Brief wirklich lesen wird.“

„Ich war total aufgeregt, als ich meinen Brief eingeworfen habe.“

„Davor: Ich war von Anfang an überzeugt von der Idee, war aber ratlos, was ich schreiben soll. Während: Am Anfang fiel es mir tatsächlich leicht, ich bekam aber bei der Hälfte eine Schreibblockade. Beim Schreiben ist mir erst richtig klar geworden, dass es „ernst“ ist und ich den Brief wirklich einwerfe. Danach: Den Umschlag zu schließen, war ein gutes, aber auch bedrückendes Gefühl; zu wissen, dass der Brief in 100 Jahren geöffnet wird, war eine krasse Vorstellung.“

„Vorher: Was für eine blöde Idee. Ich habe gar keine Lust darauf! Während: Was soll ich schreiben? Nachher: War doch nicht so blöd, wie gedacht!“

„vorher: unentschlossen, gespannt, vorfreudig -> Nachricht an Nachfahren bzw. künftige Generation; lustlos -> keine Sicherheit bzw. Garantie auf Zustellung der Botschaft; während: gespannt -> Schilderung von Gefühlen und Privatem, glücklich -> Möglichkeit als Zeitzeuge zu fungieren, frei -> freie Themenwahl, Bericht von Sorgen und Ängsten; nachher: erleichtert -> Themenkomplexe pointiert vorgetragen; neugierig -> Wie wird die Nachricht aufgefasst?; unsicher -> Sind die vorgetragenen Themen relevant?“

„Davor: Ich hatte gemischte Gefühle, als ich gehört habe, dass wir das machen; weil… wer weiß, was mit den Briefen passiert? während: Ich habe mich total auf den Brief fokussiert und konnte so viel schreiben, wie ich will. Das hat mega Spaß gemacht und ich war auch total im Flow. danach: Ich habe mich total befreit gefühlt, weil ich dort alles reingeschrieben habe, was ich fühle.“

Selbst Lust, einen Brief zu schreiben? Alle Infos unter: https://2020.freiburg.de/pb/1632268.html

Unser neuer Mittelstufenleiter
Dirk Philippi

Können Sie sich kurz vorstellen?

Die trockenen Zahlen: Ich bin 49 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Jungs (25 und 10 J.) und bin seit 22 Jahren Lehrer. Vielleicht interessanter: Ich bin meeressüchtig, Theater- und Eishockeyfan, habe einen Turnschuh-Tick, engagiere mich privat gegen Rassismus, höre HipHop & Indie und beschäftige mich auch in meiner Freizeit viel mit Schule bzw. wie man diese zeitgemäßer gestalten könnte.

Wie sind Sie an der Staudi gelandet und warum?

Ich bin 2013 als stellvertretender Schulleiter in den Deutschen Auslandsschuldienst gegangen und habe in Izmir in der Türkei sechs Jahre an einer Gesamtschule gearbeitet. Nachdem ich davor immer nur am Gymnasium war, wusste ich, dass ich nach meiner Rückkehr unbedingt wieder an eine Gesamtschule möchte und glücklicherweise hat dies nun mit meinem Wechsel zur Staudi geklappt. Hier bin ich jetzt gelandet wie auf einem Daunenkissen. Ausnahmslos alle haben mich so offen und herzlich aufgenommen, dass ich mich manchmal zwicken muss, dass es solch ein tolles Team in einer Schule tatsächlich gibt. Dazu kommt, dass ich mit Frau Ulrich die wohl beste Teampartnerin in der MS-Leitung habe, die man sich nur wünschen kann: super kompetent, hilfsbereit, geduldig, zuverlässig, ehrlich und sehr cool.

Worauf freuen Sie sich hier an unserer Schule?

Am meisten freue ich mich auf den Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern. Durch die Pandemie und meinen Wechsel während des Schuljahres kam das bislang leider noch viel zu kurz. Außerdem freue ich mich natürlich auf das Teamwork mit meinen Kolleginnen und Kollegen und bestimmt viele spannende Projekte.

Was für Fächer unterrichten Sie?

Ich habe Deutsch und Sport studiert, eine Zusatzausbildung als Erlebnispädagoge gemacht und in den zurückliegenden Jahren außerdem Ethik, Philosophie und Psychologie unterrichtet.

Wie kommt es, dass Sie mitten im Schuljahr als Mittelstufenleiter an unserer Schule angefangen haben?

Nach meinen Jahren in der Türkei wurde ich vom Regierungspräsidium an das Kreisgymnasium nach Titisee-Neustadt geschickt. Als dann die Stelle der Mittelstufenleitung an der Staudinger ausgeschrieben wurde, habe ich keine 5 Sekunden gebraucht, um mich an den Rechner zu setzen und meine Bewerbung zu schreiben. Ich wollte ja unbedingt an eine Gesamtschule und da die Stelle auch mit einem meiner Schwerpunkte, der Schulentwicklung, verbunden ist, wusste ich sofort, dass dies meine Traumstelle ist. Leider zog sich das Bewerbungsverfahren durch die Pandemie und so kam die freudige Nachricht zwar zu meinem Glück, aber erst im April dieses Jahres. Da ich ja aber im Schwarzwald auch noch viele Klassen unterrichte, haben wir uns dann mit allen Beteiligten geeinigt, dass ich bis Ende Juli an zwei Tagen pro Woche an der Staudi bin, um mich einzuarbeiten, und an drei Tagen in Titisee-Neustadt, um meine momentanen Klassen nicht mitten im Jahr im Stich zu lassen.

Warum sind Sie Lehrer geworden?

Weil es der schönste Beruf der Welt ist.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß?

Wenn das Lernen so klappt, dass man zusammen Spaß und Freude daran hat.

Was ist ihr Lieblingsort in Freiburg?

Darf ich drei nennen? Dann nehme ich das Café Istanbul, das Eisstadion und die Theatertreppen.

Was sollten die Schülerinnen und Schüler an unserer Schule unbedingt über Sie wissen?

… dass ich kein bisschen nachtragend bin, immer an das Positive glaube, Versprechen einhalte und mit Flachwitzen sehr nerven kann. 

Schub für die Digitalisierung: Zoll übergibt 117 Laptops an die Staudinger Gesamtschule

Der Zoll unterstützt die Freiburger Staudinger Gesamtschule bei der Digitalisierung. 117 Laptops, die beim Zoll durch neue Geräte ersetzt wurden, übergab die Leiterin des Bildungs- und Wissenschaftszentrums des Zolls am Standort Freiburg, Christine Lentschewski, am 17. Dezember an unseren Schulleiter Martin Baumgarten. Die Geräte sind funktionsfähig, aus Gründen des Datenschutzes wurde lediglich die Festplatte entfernt.

„In den letzten Wochen wurden bei uns 117 Notebooks durch neue Geräte ersetzt. Da die Corona-Pandemie das Bildungswesen insgesamt vor große Herausforderungen stellt, freuen wir uns in dieser besonderen Zeit sehr, eine Schule in der Region unterstützen zu können“, so Christine Lentschewski.

„Für die Schülerinnen und Schüler der Staudinger-Gesamtschule kommen die Geräte genau recht, da es sich abzeichnet, dass sie in der nächsten Zeit wieder vermehrt im Distanzlernen auf Laptops angewiesen sein werden“, erklärte Martin Baumgarten.

Foto (v.l.n.r.):  Martin Baumgarten (Schulleitung Staudinger Gesamtschule), Werner Sauer (IT-Staudinger Gesamtschule), Christine Lentschewski (Leiterin des Bildungs- und Wissenschaftszentrums in Freiburg), Klaus Keller (stellvertretender Leiter des Bildungs- und Wissenschaftszentrums in Freiburg)

Einweihung des Flügels

Einige Zeit stand er nun schon in der Aula: Ein wunderschöner, schwarzer Hochglanzflügel. Doch spielen durfte man, wie das Hinweisschild „Bitte nur mit den Augen bewundern!“ erklärte, noch nicht.

Das Warten hat nun jedoch ein Ende. Am Freitag, 13. Februar 2020 wurde der Flügel offiziell der Schule vom Förderkreis, der die Beschaffung organisiert hat, als Geschenk übergeben. In einer kleinen feierlichen Zeremonie erklang in der zweiten großen Pause zum ersten Mal das kostbare Instrument.

Herr Wüster, Vater eines Schülers und selbst Klavierbauer und -lehrer, hatte im Auftrag des Förderkreises den Flügel aus Privatbesitz erworben. Aus Frankenthal bei Worms kam er per Spedition in die Staudinger-Gesamtschule und wurde dort in den Fasnachtsferien von Herrn Wüster generalüberholt und mehrfach gestimmt. Das Resultat kann sich hören lassen, wie Herr Wüster sowie die Schüler Samuel und Lukas bei der Einweihung virtuos unter Beweis stellten.

„Die Idee, einen Flügel für die Schule anzuschaffen, hatten wir vom Förderkreis schon länger“, sagt Anja Gössel, erste Vorsitzende. „Aber dass es nun tatsächlich geklappt hat, liegt daran, dass wir alle, Schule, Förderkreis, FK Musik und Eltern, an einem Strang gezogen haben.“

Finanziert wurde das exklusive Instrument nicht nur vom Förderkreis, sondern auch durch den Christa Becker Fonds. „Christa Becker war eine ehemalige Staudi-Lehrerin“, erklärt Almut Witzel, selbst pensionierte Staudi-Kollegin, „die der Schule einen Fonds hinterlassen hat, der insbesondere sozial schwachen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Musik und Musikunterricht ermöglichen soll. Christa Becker würde sich freuen, wenn sie diesen Flügel sehen würde!“

Zukünftig wird der Flügel zwischen Mensa und SII-Eingang stehen und darf dort, von allen, die das Klavierspielen beherrschen, vor und nach dem Unterricht bespielt werden.

Die Schule dankt dem Förderkreis und dem Christa Becker Fonds herzlich für das großzügige Geschenk und Herrn Wüster für seine professionelle Begleitung des Projekts!

Text und Fotos: Catherine Pasdar

Ezé Wendtoin begeistert Staudi-Publikum

Nachmittags hatte er noch im Rahmen des Thementags „Wir sind alle einzigartig! Schule gegen Rassismus, Hetze und Ausgrenzung“ einen Workshop für Fünftklässler gegeben, abends stand er selbst im Theatersaal auf der Bühne: Ezé Wendtoin, 28 Jahre alt, Musiker, Sprachakrobat, studierter Germanist.

Innerhalb von Minuten gelingt es dem sympathischen Künstler, sein Publikum mitzureißen: „Singt mit“, ruft er immer wieder und die Zuhörer stimmen ein: Ob „Die Gedanken sind frei“, „Sag nein“ von Konstantin Wecker oder zum Abschluss Hannes Waders Ohrwurm „Heute hier, morgen dort“, Ezé begeistert sowohl mit Coverversionen als auch mit seinen eigenen Liedern. Der Rhythmus, das merkt man, liegt dem in Burkina Farso geborenen Musiker im Blut.

Ezé kam zum Studium nach Deutschland und wohnt heute in Dresden. Mit seiner Musik setzt er sich für Toleranz und gegen Rassismus ein: „Rassismus ist ein System, das tief verankert ist. Wir alle müssen Gesicht zeigen. Miteinander, statt gegeneinander“, gibt Ezé seinem Publikum als Botschaft mit. Seine Songs sprechen für sich, sind nicht belehrend, sondern bestechen durch ihre Worte. Sie sind politisch und alltäglich, afrikanisch und deutsch, nüchtern und poetisch. Eine Mischung, die bei den Staudis im Theatersaal exzellent ankommt. Nach einer Stunde Konzert wird zusammen nicht nur gesungen, sondern bereits ausgelassen getanzt. Ezé: „Ihr wart ein tolles Publikum, wir sehen uns bestimmt wieder!“

Herzlichen Dank an Frau Gössel und den  Förderkreis der Staudinger-Gesamtschule für die Organisation des Abends, an die Klasse 5f für das internationale Buffet, an Frau Kratzeisen und ihre AG für die Technik, an Herrn Oehme für den Sound und vor allem an Herrn Bürger, der Ezé Wendtoin nach einem Bericht im Fernsehen für das Konzert an unserer Schule gewinnen konnte!

Auch die Badische Zeitung hat über den Thementag berichtet.

Mathias Bürger, Ezé Wendtoin
Anja Gössel, Ezé Wendtoin

Text und Bilder: Catherine Pasdar

Vortrag: „Grenzen setzen, in Beziehung bleiben. Gendersensible Pädagogik mit Jungen“

Die Pubertät ist eine schwierige Zeit, nicht nur für die Jugendlichen selbst, sondern auch für Eltern, die ihren Nachwuchs durch diese Phase begleiten. Insbesondere männliche Jugendliche versuchen in dieser Lebensphase häufig, Grenzen auszutesten. Wie reagiert man als Elternteil richtig, wenn der Sohn kifft, Alkohol trinkt, stundenlang am Computer spielt oder sexistische Rap-Texte hört? Intervenieren und hart durchgreifen? Aushalten und hoffen, dass es eine vorübergehende Phase ist?

Der Experte Florian Hahn, der seit Jahren pädagogisch mit Jungs arbeitet, teilte im Rahmen eines Themenabends des AK-Suchtprävention am 26. November seine Erfahrungen mit dem interessierten Publikum. Jungs seien durchaus in der Lage, tiefgründige Gespräche zu führen und sich gegenüber Erwachsenen zu öffnen, sagt Hahn, sie bräuchten dafür nur den richtigen Rahmen. Gemeinsame Unternehmungen wie Kanutouren, zusammen etwas reparieren, das neue Computerspiel testen oder ein Spaziergang in der Natur können oft Wunder wirken. Eltern sollten sich bewusst Zeit nehmen und in Beziehung zu ihren Kindern gehen.  Wichtig sei es, Vertrauen zu vermitteln und gelassen zu bleiben, wenn der eigene Sohn pubertätsbedingt aufbegehrt. „Es gibt gute Gründe, warum ein 14-Jähriger sich nachts nicht alleine auf der Straße herumtreiben oder mit seinen Freunden auf dem Weinfest betrinken darf. Verweisen Sie auf die gesetzlichen Regelungen und bleiben Sie authentisch, was Ihre eigenen Werte angeht“, rät Hahn seinem Publikum. „Wenn euer Sohn behauptet, alle anderen dürften bestimmte Dinge, dann erklärt ihm liebevoll, aber klar, wo in eurer Familie die Grenzen sind: Ich sorge mich um dich und deshalb möchte ich, dass du um 22 Uhr daheim bist.“

Auch bei schulischem Frust ermutigt Hahn die Eltern, ihre Erwartungen so zu formulieren, dass sie nicht als Angriff empfunden werden. Anstatt Druck auszuüben sollten Eltern fragen, was ihr Sohn braucht, damit er es in der Schule hinbekommt. Wenn es Eltern gelingt, mit ihren Kindern im Abnabelungsprozess der Pubertät in Beziehung zu bleiben, dann leisten sie einen Beitrag zum großen Ziel des Abends: Glückliche Jungs.

Text und Foto: Catherine Pasdar

Filmvorführung „Verkehrte Welt“

Einen Film, der aufrüttelt, präsentierten am 30. September fünfzehn Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien an der Staudinger-Gesamtschule.

„Verkehrte Welt“ erzählt, wie in Deutschland die fiktive nationalistische „DEPP“ („Deutsche Ekel Politische Partei“) die Macht übernimmt. Schon bald ändert sich die zu Beginn noch unbekümmerte Stimmung im Land. Die „Deppen“ machen in schwarzen Uniformen Haustürbesuche und laden zu Partys mit kostenlosem Essen, Trinken und Vorträgen ein. Bislang politisch völlig uninteressierte Menschen werden zu Mitläufern und begeistern sich für die Parolen der rechtsextremen Partei. In der Schule werden ausländische Kinder schikaniert, doch keiner schreitet ein. Die nette Durchschnittsfamilie, die einem Gewaltopfer helfen möchte, wird von der eigenen Nachbarin verraten. Das Heimatland ist plötzlich nicht mehr sicher, es herrscht Terror.

Der Film wagt einen Perspektivwechsel und zeigt, dass Fluchtursachen überall entstehen können. In das Filmprojekt von Regisseur Torsten Stoll fließen die Biografien der jugendlichen Schauspieler, die in die Rollen deutscher Bürger schlüpfen, mit ein. „Wir haben alle gemeinsam, dass wir und unsere Familien aus unserer Heimat fliehen mussten“, erklärt einer der Jugendlichen, selbst 17 Jahre alt und vor viereinhalb Jahren aus Afghanistan geflohen.

Entstanden ist die Idee zum Film aus einem gleichnamigen Theaterprojekt 2016, an dem 30 Jugendliche aus neun Nationen mitgewirkt haben. „Die Produktion war sehr arbeitsintensiv“, erklärt Schauspielerin Alexandra Ihrig, die die jungen Flüchtlinge auf ihrer Filmreise nach Freiburg begleitet. „Insgesamt 60 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der Georg-Büchner-Schule Erlensee haben in ihrer Freizeit an diesem Film gearbeitet. Mit den Tänzern und Musikern der internationalen Schule für Geflüchtete sind es insgesamt über 100 Personen.“

„Sei kein Depp – engagiere dich!“, lautet abschließend die wichtige Botschaft des Films.

Hier geht es zum Trailer.

Weiterer Vorführungstermin: Donnerstag, 3. Oktober, 20 Uhr in der Internationalen Jugendherberge Freiburg , Eintritt frei

Text: Catherine Pasdar

Foto: Veranstalter

Bienen-AG erntet ersten Staudi-Honig

Seit Pfingsten 2018 wohnen drei Bienenvölker auf unserem Schulgelände. Betreut werden sie von der „Bienen-AG“. 12 Schülerinnen und Schüler kümmern sich unter Leitung von Raphael Buob und Martin Baumgarten um die Schwärme. Dass die Jugendlichen den Umgang mit den Bienen gewöhnt sind, merkt man daran, dass sie völlig angstfrei und ohne Schutzausrüstung an die Bienenstöcke herangehen. Die Handgriffe sitzen auch am bisher wichtigsten Tag seit Bestehen der Bienen-AG: Am Montag vor den Sommerferien wurde der erste eigene Honig geerntet. 50 Pfund lautet das stolze Ergebnis am Ende des Tages, nachdem die Waben entdeckelt und der Honig in der Schulküche geschleudert wurde.

„WhatsApp, Facebook und Co. Medien – aber sicher!“

Eine Gruppe Teenager sitzt in einem Museum, hinter den Jugendlichen hängen beeindruckende Gemälde an der Wand – doch wohin blicken die Teenies? Auf ihre Handys! Typisch, denken die Betrachter, doch Carmen Kunz, Medienpädagogin beim Jugendhilfswerk Freiburg und Fachberaterin für Medienabhängigkeit, klärt auf: Das Foto zeigt keineswegs kunstverdrossene Jugendliche, vielmehr handelt es sich um ein Digitalisierungsprojekt eines Amsterdamer Museums. Per Handy-App können die Besucher die Bilder individuell entdecken und interaktiv mit Kunst in Berührung kommen.

Das Smartphone ist als Allrounder mit seinen unzähligen Funktionen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch viele Eltern sind genervt, dass ihre Kinder ständig am Handy hängen, und machen sich ernsthaft Sorgen. Tatsächlich nutzen Jugendliche ihre mobilen Endgeräte kaum, um zu telefonieren, sondern hauptsächlich, um online zu gehen. „Das Netz ist ein digitaler Erfahrungsraum, der Jugendliche fasziniert, weil sie dort ihre elementaren Bedürfnisse als Heranwachsende befriedigen können“, erklärt Carmen Kunz. Der Wunsch nach Zugehörigkeit und Anerkennung, die Entwicklung der eigenen Identität und nicht zuletzt der Umgang mit Sexualität – all diese Aspekte pubertärer Entwicklung können die Jugendlichen in sozialen Netzwerken, bei Online-Spielen und beim Surfen durchleben. Doch in der digitalen Welt lauern auch Gefahren: Pornografie, Cybermobbing, rechtsextreme und gewalttätige Inhalte. All diese Dingen sind für Polizeioberkommissar Frank Stratz, der gemeinsam mit Carmen Kunz referiert, Alltag. „Leider haben die Jugendlichen oft keinerlei Unrechtsbewusstsein, wenn sie in ihren WhatsApp-Gruppen strafbare Inhalte teilen“, beklagt Stratz. Vielen Jugendlichen ist auch nicht klar, dass die Bilder, die sie von sich posten, für immer im Netz kursieren werden. Ein übermütig gesendetes Nacktfoto verbreitet sich schnell und die Betroffenen, meist Mädchen, werden verspottet oder – schlimmer – anschließend erpresst. Der Polizeikommissar empfiehlt Jugendlichen den „Omacheck“ zu machen: „Verschickt nur solche Fotos von euch, die ihr auch eurer Oma zeigen würdet.“ An die Eltern appelliert Stratz, auch selbst sensibel mit den Daten der eigenen Kinder umzugehen und beispielsweise nicht jeden Urlaubsschnappschuss des Juniors zu posten.

Zwar gibt es eine Vielzahl von Kindersicherungsprogrammen, mit denen Eltern das Smartphone ihres Nachwuchses überwachen, bestimmte Inhalte sperren und Onlinezeiten regulieren können. Carmen Kunz hält solche technischen Sperren aber nur in der Einübungsphase bis zum Alter von 12 Jahren für sinnvoll. Wichtiger als technische Überwachung sei es, mit seinen Kindern im Gespräch zu bleiben: „Zeigen Sie Interesse an dem, womit sich Ihre Kinder beschäftigen. Lassen Sie sich von Ihrem Sohn zeigen, welche Spiele er spielt und spielen Sie auch selbst einmal eine Runde mit. Vereinbaren Sie klare Regeln, wann und wie lange das Smartphone genutzt werden darf und seien Sie selbst Vorbild“, bittet Kunz.

Medien haben eine große Bedeutung für die Jugendlichen und Medienerziehung ist eine ganz neue Herausforderung für alle Eltern. Als Richtlinie, wieviel Zeit Kinder täglich maximal vor dem Bildschirm verbringen sollten, verweist die Medienpädagogin auf die Faustregel „10 Minuten pro Lebensjahr“. „Gefährlich wird es dann, wenn die Balance zwischen realer Welt und Onlinewelt nicht mehr stimmt“, so Kunz. Das Smartphone hat über Nacht nichts im Kinderzimmer verloren, stellt sie abschließend klar.

Carmen Kunz war zum dritten Mal als Referentin auf Einladung des AK Suchtprävention und in Kooperation mit der VHS Freiburg an der Staudinger-Gesamtschule. Herzlichen Dank an sie und Polizeioberkommissar Frank Stratz für den informativen und interessanten Abend!

Spatenstich für den Schulneubau

Bei strahlendem Sonnenschein fand am Mittwoch, 17. Juli der Spatenstich für den Neubau unserer Schule statt. Oberbürgermeister Martin Horn griff begleitet von Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik, Finanzbürgermeister Stefan Breitner und Baubürgermeister Martin Haag zum Spaten: „Dies ist das größte Hochbauprojekt unserer Stadt. Der Neubau der Schule mit Stadtteilbibliothek und Jugendtreff wird 110 Millionen Euro kosten, mehr als das neue SC-Stadion. Doch das ist jeden Euro wert. Mit dem Neubau bekennt sich der Gemeinderat zum Konzept der Gesamtschule“, so Horn. Alle Redner lobten die gute bisherige Zusammenarbeit und freuen sich, dass es nun endlich losgeht. Umrahmt von Musik der Staudi-Singers und Unterstufenschülern wurde beschwingt auf den Beginn der Bauarbeiten angestoßen.

Juniorwahl 2019

Alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 – 12 dürfen im Rahmen des bundesweiten Schulprojekts zur Europawahl an der Staudi diese Woche zur Urne gehen. Die Jugendlichen erhalten in der Simulation genau wie die Erwachsenen vorab eine Wahlbenachrichtigung und geben im eigens eingerichteten Wahlraum ihre Stimme für eine der Parteien ab.

Bauen, tüfteln und entdecken – Das Schülerforschungszentrum

„Auf diesem Moment habt ihr jetzt vier Wochen gewartet“ – mit Leuchten in den Augen gratuliert Gerhard Löffler Rosa (14), Nora (15) und Roan (15), die stolz auf das selbst gebaute Kettenkarussell blicken, das vor ihnen steht. Mit großer Geschwindigkeit drehen sich die Figuren in ihren kleinen Sitzen im Kreis, fliegen höher und höher. Das Besondere daran: Die drei Jugendlichen, die das Berthold-Gymnasium besuchen, haben auch den Motor für ihr Modell selbst gebaut. Angetrieben wird das Karussell von einer großen Brennstoffzelle, die zehn Liter Wasserstoff enthält. Ein paar Plätze weiter tüftelt Karl, der die achte Klasse der Staudinger-Gesamtschule besucht, gerade daran, wie er den Fahrradfahrer, den er aus Fischertechnik konstruiert hat, schneller in die Pedale treten lassen kann, während Jeany und Michelle, ebenfalls in der achten Klasse der Staudinger-Gesamtschule, über Elektrolyse fachsimpeln.

Jeden Dienstagnachmittag kommen naturwissenschaftlich begeisterte Jugendliche aus der Region zum Kurs „Modellauto mit Wasserstoffantrieb“ im Chemiesaal der Staudinger-Gesamtschule zusammen, um gemeinsam im Schülerforschungszentrum Freiburg zu experimentieren. Im Mittelpunkt steht das entdeckende Lernen im Team. „Das Schülerforschungszentrum wendet sich an alle Kinder und Jugendliche, die sich über den Schulunterricht hinaus mit spannenden technischen und naturwissenschaftlichen Fragen auseinandersetzen möchten“, so Markus Eppinger, Geschäftsführer des Vereins „Schülerforschungszentrums Freiburg e.V.“.

Ermöglicht wird diese durch die Unterstützung externer Partner. Jens Kröger von der Firma „Endress und Hauser“, die das Schülerforschungszentrum finanziell unterstützt, ist bei seinem Kurzbesuch am Dienstag, 14. Mai von der Experimentierfreude der Jugendlichen beeindruckt. Professionell und mit Hilfe von selbst erstellten Videos erläutern die Nachwuchsforscher, was sie im aktuellen Kurs über Batteriefunktionen, Elektrolyse und Brennstoffzellen gelernt haben. „Man sieht, dass ihr das, was ihr hier macht, gerne macht. Und das ist auch für eure spätere Zukunft wichtig, denn dann seid ihr zufrieden und erfolgreich“, lobt Jens Kröger. Auch Gerhard Löffler, der an der Staudinger-Gesamtschule als Chemielehrer arbeitet und die Jugendlichen bei ihren Forschungen begleitet, ist sehr zufrieden: „Die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler untereinander ist wirklich überragend.“ Wie motiviert alle sind, wird am Beispiel des Sechstklässler Mathin deutlich: Er nimmt jede Woche den langen Weg aus Neuenburg auf sich, um am Schülerforschungszentrum teilzunehmen.

Wer mehr über die Arbeit des Kurses erfahren möchte, hier geht es zum Film.

Text und Fotos: Catherine Pasdar

Musik liegt in der Luft!

Beim diesjährigen Frühlingskonzert am 26. April begeisterten die Musikklassen, die Mittelstufen- und Oberstufen-Bands sowie die Staudi-Singers das Publikum. Mit einem bunten Repertoire zeigten sie die musikalische Vielfalt an unserer Schule. Herzlichen Dank an alle Beteiligten und an die Organisatoren für den wunderbaren Abend!

Mit den Spenden für das Frühlingskonzert wird dieses Jahr die Hilfsorganisation „Amica e.V.“ unterstützt, die sich für Frauen und Mädchen in Krisenregionen einsetzt.

„Wer war Hermann Staudinger?“ – Themenabend zum umstritten Namensgeber unserer Schule

Herrmann Staudinger, der Namensgeber unserer Schule, ist im Rahmen der Überprüfung der Freiburger Straßennamen in den Fokus des Interesses gerückt. Kann und will sich unsere Schule mit dem berühmten Chemiker und Nobelpreisträger, dessen Rolle im Dritten Reich undurchsichtig ist, weiterhin identifizieren?

Die Schule hat sich auf den Weg gemacht, in einem länger andauernden Prozess unter Mitwirkung aller am Schulleben Beteiligten, diese Frage zu prüfen. Als Auftakt fand hierzu am Dienstag, 4. April ein Themenabend zu Hermann Staudinger statt, der vom vierstündigen Geschichtskurs von André Schulz inhaltlich vorbereitet wurde und zu dem die Schule gemeinsam mit Elternbeirat und Förderkreis geladen hatte. Als Gäste saßen Prof. Dr. Bernd Martin (Historiker und Vorsitzender der Straßennamenkommission), Prof. Dr. Carl Priesner (Wissenschaftshistoriker, Erschließung des Hermann Staudinger Nachlasses an der Universität München), Dr. Renate Kiefer (Altstadträtin und ehemalige Elternbeiratsvorsitzende der Staudinger-Gesamtschule) sowie die beiden Schüler Maximilian Frei und Pascal Jäger als symbolische Vertreter der Zeitzeugen auf dem Podium.

Prof. Priesner, der sich intensiv mit Staudinger beschäftigt hat (das Staudinger-Archiv in München umfasst alleine 27 000 Briefe), macht von vorneherein klar, dass er den berühmten Makromolekularforscher „nicht für einen Antisemiten“ hält. Für ihn sind Staudingers antisemitischen Äußerungen sowohl im historischen Kontext zu sehen, als auch in einem persönlichen Disput mit den jüdischen Wissenschaftlern Hermann F. Mark und Kurt Heinrich begründet, deren wissenschaftlichen Erfolge Staudinger als unerträgliche Konkurrenz empfunden habe. Priesner verweist zudem auf Staudingers pazifistischen Äußerungen und Publikationen im 1. Weltkrieg. Durch seinen früheren Appell, auf chemische Waffen als menschenverachtende Kriegstechnik zu verzichten, habe bei vielen Nationalsozialisten Zweifel an Staudingers politischen Gesinnung bestanden und Staudinger wurde von Martin Heidegger, Rektor der Freiburger Universität, sogar denunziert.

Prof. Martin gesteht ein, dass eine endgültige Beurteilung Staudingers schwierig sei. „Man kann Staudinger nicht einfach einen Antisemiten nennen, es ist viel komplexer“, so Martin. Zwar gebe es klare Beweise, dass Staudinger Halbjuden namentlich diffamiert hat und sich mehrfach beim Ministerium beschwerte, dass er an seinem Institut „Halbjuden unterrichten“ müsse. Andererseits gebe es eben aber auch Berichte von Zeitzeugen, die versicherten, Hermann Staudinger habe sie als Halbjuden persönlich vor dem NS-Regime geschützt. Pascal Jäger, Schüler des Geschichtskurses, zitiert hierzu Marianne Meier, die Staudinger nachdrücklich in Schutz nimmt und sagt, er habe „die ausschlaggebende Rolle gespielt“, dass sie als Halbjüdin weiterstudieren durfte.

Wie also ist Hermann Staudingers Rolle im Dritten Reich zu beurteilen? „Wir befinden uns als Historiker in einer Aporie, einer Ausweglosigkeit“, so Prof. Martin. „Es sind nur Erklärungsversuche möglich, genau werden wir die Rolle Staudingers nicht ergründen können.“

Hat Staudinger Halbjuden denunziert, um sich gegenüber dem NS-Regime zu positionieren? Oder ging es ihm darum, mit antisemitischen Äußerungen seine Forschung und sein Institut zu schützen? Warum aber hielt er zugleich seine „schützende Hand“, so eine Zeitzeugin in einem Dankesbrief an Staudingers zweite Ehefrau Magda, über ihm persönlich bekannte Halbjuden? Die Antworten auf die Fragen nach Staudingers moralischen Beweggründen bleiben offen.

Einig sind sich die Experten Prof. Priesner und Prof. Martin jedoch in der wissenschaftlichen Beurteilung Hermann Staudingers. Beide sehen in ihm einen der größten deutschen Naturwissenschaftler, dem seine Forschung über alles stand. „Er war ein Opportunist“, stellt Martin klar. Und Priesner sieht in Staudinger einen Repräsentanten der „bürgerlichen Eliten, durch die das System stabilisiert wurde“.

Die Straßennamenkommission hat der Stadt Freiburg deshalb in ihrem Gutachten empfohlen, die Staudingerstraße mit einem Hinweisschild zu versehen, das Staudingers ambivalente Rolle im Dritten Reich verdeutlicht. Es bleibt jedoch die Frage, ob eine Schule weiterhin nach Hermann Staudinger benannt bleiben kann. Die Historiker Priesner und Martin meinen: „Ja. Als Wissenschaftler kann Staudinger aufgrund seiner Leistungen durchaus geehrt werden.“ Es bleibt abzuwarten, ob die Schulgemeinschaft sich dieser Einschätzung anschließen wird.

Auch die Badische Zeitung berichtete über den Themenabend.

Text und Bild: Catherine Pasdar