Abitur 2009

„Wenn ich heute jemandem erzähle, dass ich gerade Abi gemacht habe, ist die erste Reaktion meistens: „Und? Was für einen Schnitt haste? Isses gut gelaufen?“
Da fang ich mich an zu fragen: Ist mein Schnitt das Ziel, worauf ich die ganzen letzten 13 Jahre hingearbeitet habe? Was bleibt eigentlich von der Schulzeit übrig außer dieser einen kleinen Zahl?
Mir fällt dazu eine andere, poplig-kleine Zahl ein: 26!
Liebe Lehrerinnen und Lehrer, Ihr habt uns eine riesige, weite, reiche Welt eröffnet, mithilfe von nur 26 Buchstaben. Hinter dem Alphabet steckt das Lesen und Schreiben, die Möglichkeit, in immer neue, unbekannte Welten zu tauchen und neue Dimensionen zu erleben.

Noch ’ne „kleine“ Zahl gefällig? „10“:
mit den zehn Zeichen von 0 bis 9 haben wir unser Hirn trainiert: Mathe bis zum Abwinken. Dazu kam ein physikalisches Universum, das an die Tafel gemalt werden konnte mit den Haupt-Akteuren 0 bis 9.
Auch wenn ich selbst nicht viel davon versteh’: nun weiß ich immerhin, dass es sie gibt.
Lehrer unterrichten Schüler, das ist klar. Doch nicht nur das: Unsere Lehrerinnen und Lehrer übernehmen weitaus mehr Aufgaben, als die, für die sie bezahlt werden. Oft genug leisten sie Seelsorge, schlichten Streit, leiten Mittagspausen-AGs, gehen mit hochpubertären Teenis ins Landschulheim und und und…
Vielen Dank für die jahrelange Begleitung. Wir wissen wohl, dass es nicht immer leicht mit uns gewesen ist!

Ein Jahr hat ca. 192 Schultage. Wenn man diese mal mindestens 13 Jahre nimmt, ergeben das 2.496 Tage. Das sind eine Menge, wenn man bedenkt, dass die einen oder anderen jeden Tag von ihren Eltern ca. zwei Vesperbrote geschmiert bekamen, nicht zu vergessen die „Kröten“ für die Mensa… Doch liebe Mamas und Papas, ihr hattet weitaus mehr zu tun: Eure Kinder Tag für Tag morgens wecken, abends ins Bett schicken, für die Schule motivieren, bei den Hausaufgaben helfen, sich um Nachhilfe kümmern und diese dann noch bezahlen. Und immer wieder konntet Ihr auch viel Verständnis zeigen, wenn wir anderes weit wichtiger fanden und finden als Schule… Danke für all das!

Ich weiß nicht, wie es euch allen geht, wenn ihr euch an eure Schulzeit zurückerinnert. Mir jedenfalls kommt nicht zuallererst in den Sinn, was ich da alles im Unterricht so gelernt habe. Vielmehr denke ich an all das Leben, das in der Schule stattfindet.: wie wir auf dem Werkspielhaus unsere eigenen Hütten gebaut haben, wie wir heimlich Flaschendrehen und PKW Action außerhalb des Schulgeländes spielten oder wie wir in der großen Pause in der OS- oder MS-Disco abtanzten.
Ja, Schule ist so viel mehr als nur Unterricht. Das Zwischenmenschliche und das für das Leben Relevante findet in den Pausen und Freistunden statt.

„Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.“
Dieses Zitat stammt von Erich Kästner.

Ok, wir haben gebüffelt – oder hätten doch büffeln sollen. Aber es gab auch ’ne Menge zu lernen, so wie Kästner das gemeint hat: als Mensch – und von Mensch zu Mensch!

Liebe Mitschülerinnen und liebe Mitschüler, unser Schulleben ist hiermit zu Ende. Ich bin mir sicher, dass jede und jeder von uns ’ne Menge aus der Staudi mitnimmt. Ich wünsche allen viel Erfolg, Mut und Liebe für Eure weiteren Wege. ABIOS AMIGOS!“

Marianne Nack 10. Juli 2009

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Photo:Fionn Große
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